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Sommer auf Silba

Die vorletzte Lesung des Sommerliteraturfestivals  „Summa in da Stadt 2015“ im read!!ing room, stand – so wie jene von Angelika Högn – im Zeichen der Kindheitserinnerungen an längst vergangene Sommerfreuden. Gabriele Rökl entführte das Publikum ins Jugoslawien der 60er und 70er Jahre; also in eine Zeit, in der die meisten Wiener/innen gerade einmal die Strände Italiens für sich entdeckt hatten. Die Autorin beschrieb, wie sie über Jahre hinweg, die sehr kleine Insel Silba, die in der Nähe von Zadar liegt, besuchte und dort mehrere Wochen des Sommers verbrachte. „Silba, mon Amour“ wurde zu einer Hommage an die kleine Insel im Zadar-Archipel.

Tourismus mit dem eigenen Hausstand

In Zeiten der Billigairlines und der All-Inclusive-Angebote ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass Menschen auf Urlaub fahren und ihre eigenen Konservendosen, Campingkocher, Bettzeug, Kerzen und Streichhölzer mitnehmen um auf eine Insel zu fahren, auf der es weder Autoverkehr, interessante Sehenswürdigeiten noch andere moderne Annehmlichkeiten, wie einen Swimmingpool oder mehrere Restaurants, gibt. In Gabriele Rökls Schilderungen wird deutlich, wie sich die Kultur des Urlaubs in den letzten Jahrzehnten deutlich veränderte. In den ersten Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs war es bereits ein Ereignis überhaupt ans Meer fahren zu können. Fehlendes fließendes Wasser oder fehlender Strom waren kein Hindernis für einen schönen Urlaub. Die Haare wurden – so wie es die Einheimischen vorzeigten – mit Seife im Meer gewaschen. Man genügte sich oft selbst, genoss die freie Zeit mit Kartenspielen, Baden oder Lesen am Stand  und ließ den guten Gott einen lieben Mann sein.

Neben den Erzählungen des Reise- und Tagesablaufs, zeichnete die Autorin durch kleinere Anekdoten ein buntes Portrait einer längst vergangenen Zeit. Der politische Kontext (Titos Jugoslawien) wurde zart angedeutet und Gabriele Rökl arbeitete fein heraus, dass die „Mia san mia“-Mentalität, die wir so gerne an den Bayern bekritteln, durchaus auch eine Wiener Eigenschaft sein kann, besonders dann wenn ein Mitglied der Wiener Reisegruppe anlässlich einer Blutspendeaktion doch offiziell erklärte, wie wichtig das gute „Wiener Blut“ doch für die jugoslawische Bevölkerung sei.

Nostalgie

Die Erzählung handelte ebenfalls von der Entwicklung eines Mädchens hin zur Pubertät; Kichereien und Stricherlliste für harmlose Bekanntschaften mit einheimischen Jungen inklusive. Gabriele Rökls Reise in die Vergangenheit und auf die Insel Silba trug unterschiedlichste Züge und viele im Publikum erinnerten sich ähnlicher Erlebnisse an anderen Stränden, in anderen Ländern. Gabriele Rökl schloss durchaus nostalgisch, indem sie den Text einer längst vergangenen Zeit und vor allem jenen Menschen, die in dieser Zeit vorkamen, widmete.

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