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Synchronschwimmen – oder wie geht man mit schwierigen Themen um

 

Als Christian Schwetz vor einigen Monaten den Titel „Synchronschwimmen“ vorschlug, waren Gabriela Dickie und Burghard Unteregger vielleicht etwas zu schnell begeistert. Der Lesungstitel wurde zu einer derartigen Herausforderung, dass die beiden Autor(inn)en kurzerhand ihre Bemühungen und ihr Ringen um das Thema in ihre Texte / Lesung einbauten. Ungefähr drei Monate vor der Lesung begann angeblich der (Nicht)schreibprozess zu „Synchronschwimmen“. Man sollte doch endlich mit dem Schreiben beginnen, man hätte doch noch so viel Zeit. Der Trick: das vermeintliche Ringen mit dem Lesungstitel wurde gekonnt zur Brücke für eine Vielzahl an Gedichte und Prosatexte. Ob nun die Zahl „Sieben“ als Alltagsritual im Vordergrund stand (Gabriela Dickie) oder eine Neufassung des Märchens „Tausend und eine Nacht“ (Burghard Unteregger) von Bohnen, Gold und ausgelassenen Festen berichtete, die Rahmenerzählung funktionierte ausgezeichnet.

Die Dialoge um den vermeintlichen Entstehungsprozess wurden immer launischer, sodass nicht nur ein Loriot seine wahre Freude daran gehabt hätte, sondern auch jeder Life-Coach, der sich mit dem Thema Blockaden und Aufschieberitis beschäftigt. Da können Wikipedia und das Internet schon einmal zu einem vordergründigen Rettungsanker bei einer Schreibblockade werden. Desweiteren wurden diese Intermezzi geschickt zu einem Countdown umfunktioniert. Je näher der vermeintliche Tag der Lesung kam, umso unausweichlicher war das Ende der kurzweiligen Lesung.

Atlantik und Johnny Weismüller-String

Stellvertretend möchte ich noch zwei Texte heraus greifen: Burghard Unteregger las mit „Atlantik“ eine wunderbare und gleichzeitig bewegende Vater-Sohn-Geschichte. Der Vater hegte den Traum den Atlantik zu durchschwimmen und je älter er wurde, umso mehr übernahm der Sohn dieses Projekt. Nach dem Tod des Vaters, lebte der Sohn den Traum des Vaters und erfüllte sich und ihm den geteilten Lebenswunsch. Gabriela Dickie schickte ihren Ich-Erzähler in die Bademodenabteilung , wo er ganz – wie einst Johnny Weissmüllers Tarzan – wenn schon nicht einen Lendenschurz, dann doch einen Stringtanga in Leopardenoptik erstehen sollte. Natürlich nur zum Vergnügen seiner Frau. Allerdings konnte ja niemand ahnen, dass die Badegäste in Jesolo, wo das gute Stück premierentauglich vorgeführt wurde, die Freude an diesem guten Stück nicht teilen würden.

Mit dem Bild eines Neuzeittarzans im Leopardenstring beendeten Gabriela Dicke und Burghard Unteregger einen vergnüglichen Sommerliteraturabend und bewiesen erneut ihre Qualitäten als Synchronschreiber/innen.

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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