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Der andere Kommentar auf CeTA

Sicherlich haben Sie in den letzten Monaten davon gehört. CETA ist nicht – wie man leicht denken könnte – der neueste Krankheitserreger, der aus einem Labor freigesetzt wurde, sondern steht für „Comprehensive Economic and Trade Agreement“. Es handelt sich um ein Vertragswerk, das eine Freihandelszone zwischen der EU und Kanada zum Ziel hat. Die Verhandlungen ziehen sich endlos. Irgendwie gilt: Nix ist fix. Das Thema löst nachwievor heftige Debatten aus – Nicole Kovanda und Andreas Thaller nahmen sich in ihrer Lesung des Themas an und präsentierten mit „Christkindls ereignisorientierte Text-Akten“eine charmante Parodie.

Als Rahmenerzählung wurde ein Dialog zwischen dem Christkind (Nici Kovanda) und dem Elfen Karli (Andreas Thaller als „Man in Tights“), die sich zu einem Arbeitsmeeting trafen, um diverse Protokolle und Akten durchzugehen, mit entsprechender optischer und akkustischer Untermalung gewählt. Der Rahmen hielt, was er versprach: Das „Mindestsicherungsgedicht“ baute auf dem deutschen Weihnachtslied „Morgen wird’s was geben“ auf. Die unappetitliche Diskussion um die Mindestsicherung zwischen Bund und Ländern wurde dabei aufs Korn genommen. Nicole Kovanda befand sich mit diesem Kunstgriff in guter Tradition, denn  Erich Kästner verarbeitete bereits 1927 unter dem Titel Weihnachtslied, chemisch gereinigt eine sozialkritische Parodie auf das Lied. Er drehte genauso wie Kovanda – gut 90 Jahre später – den Inhalt des Liedes in sein Gegenteil um: Arme Kinder sollen sich keine Geschenke wünschen, denn sie bekommen auch keine.

Auch die „Zusammenfassung der diesjährigen XPM-Beschlüsse“ (CeTA-Akte 0816/1) hatte es in sich. Alle, die schon einmal in einer ach so wichtigen Sitzung saßen und sich fragten, wieso eigentlich den meist unwichtigen Dingen so viel Gewicht beigemessen wird, erkannten sich in diesem Text wieder. Natürlich wurde auch anderen Phänomenen der aktuellen Zeitgeistkultur Rechnung getragen: allgemeine Dienstverhältnisse und Präkariat, vegane Kekse, Weihnachtskonsum oder aber auch die Beratungsindustrie. Stellvertretend für viele unterschiedliche „Beratungsleistungen“ las Nicole Kovanda ein ganz spezielles Weihnachts“horror“skop.

Versöhnliches zum Schluss

In einer Diskussion zum Thema Weihnachten meinte einst ein Kollege, dass es ja leicht sei Weihnachten zu parodieren. Er vertrat die Meinung es sei viel schwieriger etwas Versöhnliches und Gehaltvolles zum schönsten Fest des Jahres zu sagen. Kovanda und Thaller zeigten, mit ihrer Lesung, dass beide Zugänge ihre Berechtigung haben: „Happy Little Things“ erfüllte als abschließender Text des Abends diesen Anspruch: Die Zeile „Nicht wegsehen, sondern hinschauen, nicht wegdrehen, sondern sich zuwenden“ sollte auch außerhalb von Weihnachten Gültigkeit haben.

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