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Wildblumen, innere Monologe und andere Innenaußenwelten

Karin Gayer präsentierte im read!!ing room Gedichte und Prosa

Karin Gayer präsentierte unter dem Titel „Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen“ Arbeiten aus ihrer aktuellen Textproduktion. Die Schriftstellerin begann mit dem Text „Wildblumen“. Es handelte sich um den Gewinnertext des ersten Preislesens, das der read!!ing room im Frühjahr 2015 unter dem Titel „Von jenen, die arbeiten und jenen, die es lassen…“ veranstaltet hatte.

Karin Gayer behandelte in „Wildblumen“ den radikalen Bruch ihrer Protagonistin mit der  gut-bürgerlichen Gesellschaft und las einen Aussteigertext oar excellence, der über das Funktionierenmüssen in der Gesellschaft nachdachte. Dass dieses Funktionierenmüssen auch  unter dem Einsatz von Medikamenten passiere war nur eine kleine Spitze. Die wahre Ironie der Geschichte bestand darin, dass die Protagonistin, eine Pharmareferentin, immer kränker wurde, obwohl sie doch „Gesundheit“ verkaufen sollte –  und schließlich, um sich zu retten, den graden Schnitt vollzog.

Mit „Die Begegnung“ schloss sich  eine Erzählung an, die eine Geschichte von drei  Menschen behandelte und zunächst an eine klassische Dreiecksbeziehung oder Familiengeschichte denken ließ.  Larissa, eine Schülerin, im Alter von ca. 16 Jahren war weltoffen, gesellig und neugierig.  Ihre Mutter, Vera, arbeitete als Kellnerin und hatte in ihrem Lokal eine Begegnung der besonderen Art. Vera hatte einen Geist getroffen, einen Geist aus der Vergangenheit, den sie circa 16 Jahre nicht gesehen hatte. Alessio, Larissas Vater, tauchte unverhofft an Veras Arbeitsplatz auf. Zu diesem Zeitpunkt schien alles angerichtet für ein klassisches Familiendrama mit Rückblenden in die Vergangenheit und Vater-Tochter-Begegnung. Die Rückblenden arbeitete Karin Gayer auch heraus um die Beziehung zwischen Vera und Alessio zu zeichnen. Aber dann kam der wohltuende Bruch. Die Autorin fokussierte weiter auf Larissas Mutter mit einem ungewöhnlichen Ende ohne Drama und Herz-Schmerz.

Neue Lyrik

Im zweiten Block schloss Karin Gayer die Gedichte „Grenzenlos“, „Das Meer und Du“, „Aufbruch in die fremde Stadt“, „Die Unmittelbaren“ und andere mehr an. In diesen Gedichten setzte sich die Autorin erneut mit den Erwartungen der Gesellschaft an uns Menschen und der Möglichkeit, ja der Notwendigkeit, eine eigene Stimme zu finden, auseinander. Das Publikum wurde aber auch auf eine Art „Winterreise“ mitgenommen.

Ein spannender Versuch war die Erzählung „Stimmen“, die aus einzelnen inneren Monologen bestand. Die Protagonistin des Textes wurde aus verschiedenen Perspektiven – mit dem Mittel des inneren Monologs und der jeweiligen stillen Gedankenwelt, die man so gerne für sich behält, beleuchtet. Zum Schluss meldete sich die Protagonistin selbst zu Wort. Dadurch entstanden verschiedene Sichtweisen auf den gleichen Vorfall, der im Wesentlichen in einem Weinkrampf der Hauptfigur bei einer Firmenfeier bestand.  Stück für Stück erschloss Gayer durch die verschiedenen Monologe den Kontext und führte die Zuhörer/innen zurück an den Ausgangspunkt des Vorfalls.

Abschließend las Karin Gayer vier Gedichte aus ihrem 2013 veröffentlichten Gedichtband „Innenaussenwelten“.

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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