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Wenn eine Favoritnerin mit Gott spricht

Maria Gornikiewicz mit Susanna Mühlgassner (Cover)
Wird Maria Gornikiewicz jetzt auch fromm?

Maria Gornikiewicz stellte mit „Valerie wird fromm“ den dritten Band ihrer „Valerie“-Serie im read!!ing room vor

Vor einem Jahr – just zur Eröffnung des Wiener Hauptbahnhofes – las die Autorin aus ihremn zweiten Band „Mordet Valerie?“.  Nur ein Jahr später folgte der dritte Band der „Valerie“-Serie. Maria Gornikiewicz geht in ihrem aktuellen Buch der Frage nach, ob ihr Alter Ego Valerie Kirchheiser aus Wien-Favoriten auf einmal fromm wurde. Doch bevor sie dem Publikum diese Frage beantwortete, startete die Autorin mit kurzen Auszügen aus ihrem ersten und ihrem zweiten Band. „Die fabelhafte Welt der Valerie“ besteht aus einzelnen Kurzbeiträgen, die in den Alltag der resoluten Favoritnerin einführen. Da kommt es schon einmal vor, dass sich die Protagonistin so ihre Gedanken über die Verpackungen der einzelnen Produkte macht und bedauert, dass fast jedes Konsumobjekt erst nach längerem Entpackungskampf benutzt oder konsumiert werden kann. Und auch Themen wie Pincodes und Passwörter, die man dann wieder vergisst, werden abgehandelt. „Die fabelhafte Welt der Valerie“ gehört nach unserer Auffassung in jede Bibliothek, die sich mit dem Thema „Alltag“ beschäftigt. „Mordet Valerie?“ und „Valerie wird fromm“ erschienen nicht nur in einem anderen Verlag (Bibliothek der Provinz), sondern wurden auch anders aufgebaut. Gornikiewicz bleibt ihren Grundthemen und ihrer Figur mehr denn je verpflichtet, kleidet die Erlebnisse ihrer Protagonistin jedoch in eine durchgehende Erzählung.

Don-Camillo-Thema in neuer Gestalt

Die Passagen für die Lesung wurden mit Bedacht ausgewählt. Die Autorin spann einen Bogen über die Bände hinweg und ließ verschiedene Figuren – wie etwas „das Schnackerl“, eine ehemalige Schulfreundin von Valerie, auftreten. Im dritten Band „Valerie wird fromm“ verwandelt sich die rüstige, bisweilen misanthrope Favoritnerin in eine Art Wiener Don Camillo – allerdings ohne Heiligenschein. Valerie spricht jedoch nicht einfach mit „Gott“, sonderm mit dem „Weißen“, in Analogie zu einem „Marterl“,  das im Naherholungsgebiet, das die Hauptfigur bisweilen frequentiert, aufgestellt wurde. Dort hängt eine weißgestrichene Holzfigur auf einem roten Kreuz. Und wenn es in „Mordert Valerie?“ heißt, dass sie lieber den Vögeln beim Singen als den Menschen zuhöre verwundert es nicht, dass auch ein weißlackiertes Holzmarterl oder eine Sonnenblume die bevorzugten Gesprächspartner/innen der älteren Dame aus Wien-Favoriten sind. Im Wesentlichen ermuntert „der Weiße“ Valerie doch freudlicher zu den Menschen zu sein und ermahnt Sie mehr oder weniger dezent, sein gutes Werk zu tun. Dabei sind die Antworten der höheren Instanz nich sehr spirituell angehaucht. Der Weiße ist eher „praktisch“ veranlagt – und daraus erschließt sich der Humor der Erzählung. Wenn Valerie z.B. darüber raunzt, dass die Lebensqualität in ihrem Bezirk abgenommen habe, dann empfiehlt „der Weiße“ neben einen Friedhof zu ziehen oder wenn Frau Kirchheiser den lieben Gott darum bittet, ihre Schmerzen beim Gehen verschwinden zu lassen, erhält sie einen freundlichen Hinweis auf den nächsten Orthopäden.

Die „Dialoge“ mit Gott sind ein rhetorischer Griff, um sich Gedanken über das Altern, die Veränderungen des Lebens und das Funktionieren unserer Welt zu machen. Satire inklusive. Ob es nun der Heurigenabend mit zuviel Wein oder die Kurzauftritte des Orthopäden in seiner eigenen Praxis sind. Auch das Absingen von „10 kleinen Negerlein“ wird genau besprochen. Übrigens spielt Sex auch eine Rolle im neuen Buch von Maria Gornikiewicz – allerdings nur auf Seite 99.

Maria Gornikiewicz schuf mit Valerie Kirchheiser eine bisweilen sarkastische Figur, die zeigt, dass das Älterwerden nichts für Feiglinge ist und dass man das Alter vielleicht nicht immer mit weihevoller Würde, dennoch mit viel Selbtironie gestalten kann.

Musikalisch begleitet wurde Maria Gornikiewicz von Sylva&Rudi auf der Mundharmonika. Die gespielten Stücke bildeten die Übergänge zwischen den einzelnen Episoden der Lesung.

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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