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Ein schlechter Weihnachtsgeschichtenerfinder


Günter Vallaster las eigene Texte aus verschiedenen Anthologien

Nach Neil Y. Tresher, der am 27. November 2015 mit seinen heiter bis wolkigen Ausführungen zum Thema „Weihnachtsfeier“  das heurige Festival „Weihnachten im Advent 2015“ eröffnete, sollte Günter Vallaster mit seiner „sehr konkreten“ Poesie ganz andere Töne und Formen darbieten. Der Autor und Herausgeber der „edition ch“ begann seine Lesung mit dem Hinweis, dass er ein „schlechter Weihnachtsgeschichtenerfinder“ sei. Und tatsächlich: Günter Vallaster gab sich in seinem poetischen Rückblick auf das Jahr 2015 nicht die geringste weihnachtliche Blöße. Sein Titel „Unter Nadeln“ stammte vielmehr aus einer etwas längeren Erzählung,  die den Titel „Der Tag an dem ich versuchte zu leben“ trug und bereits etwas älteren Datums ist. Spätestens beim Sternenweg zum Himmel wurde klar, dass es sich um eine Montageerzählung aus den unterschiedlichsten eingedeutschten und übersetzten Popsongs und Rockklassikern handelt und dass alle Gäste der beschriebenen vermeintlichen Architektenvernissage ihr Alter Ego in der Unterhaltungsindustrie haben.

Besagte Erzählung bildete den Kern der Lesung. Um den Kern baute Vallaster sehr konkrete poetische Texte, Wortspielereien und Gedichte in der Tradition der Wiener Gruppe. Eine zweite Ebene, die Vallaster sehr wichtig ist und oft unterschätzt wird, ist jene der Übersetzung oder Übertragung literarischer Texte von einer Sprache in eine andere. So wurde ein Hubschraubergedicht sowohl in Deutsch als auch in Englisch vorgetragen und – wie bereits erwähnt – funktionieren zahlreiche Popsongs in ihrer deutschen Übersetzung doch etwas anders als wahrscheinlich von den ursprünglichen Autor/innen intendiert. Vallaster zeigte, dass Topfengolatschen zu einer Lithanei in „Hülle“ und „Fülle“ führen und Zugreisen zwischen den beiden Budapester Bahnhöfen sowohl in Deutsch als auch Ungarisch stattfinden können. Gerade bei besagten Gedichten wehten „Schwittereien“ und „Jandlausen“ durch den read!!ing room. Günter Vallaster wählte – im Gegensatz zu den genannten Autoren – eine leise Vortragsweise um den eigentlichen Text hinter dem Vortrag wirken zu lassen.

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