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Wasserlinsen und ein Wodka-Engel

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„der himmel ist mit wasserlinsen tapeziert“ – Silvia Waltl präsentierte neue und nicht ganz so neue Texte rund um den Sommer, den Herbst und einen  wodkatrinkenden Engel

Auch wenn Wasserlinsen nur indirekt etwas mit den meteorologischen  Wechselbädern des aktuellen Sommers  zu tun haben, war der Titel gut gewählt. Kurz vor Silvia Waltls Lesung begann es zu schütten und zu donnern und das Wasser lief in kleinen Bächen  über die Anzengrubergasse. So wurden die Wasserlinsen  zu einer vielleicht ungewollten Metapher für die dicken Regentropfen, die man bei Gewittern auf einer Fensterbank nachzeichnen kann.

Silvia Waltl, Schreibpädagogin und Autorin, timte ihre Lesung perfekt. Ein erster lyrischer Teil mit teilweise brand,- ähm wasserneuen Gedichten, gemischt mit einigen bereits bekannten Texten ergaben eine wohltemperierte Mischung an diesem kühleren Sommerabend. Folgerichtig begann Waltl ihre Lesung mit dem Text „Stadtsommer“, der bereits von Simone Stefanie Klein vertont worden war. Wunderbar die Metaphern aus Natur und Tierwelt: „Die Höfe atmen aus Kiemen aus Gras“ oder „Wir sind Olivenkerne in den Nachmittag gespuckt“ („Irisbögen“). Es folgte ein Haikuzyklus zu den einzelnen Jahreszeiten, der gleichzeitig Bäumen gewidmet war. Ein imaginärer Baumkreis entstand vor den Augen des Publikums.

Ein „ganz  neuer Text“ („Brot und Tauben“ ) stellte die Beschreibung einer Piazza aus der Vogelperspektive ins Zentrum. „Brot und Tauben“ enthält auch die titelgebende Zeile zur Lesung „der himmel ist mit wasserlinsen tapeziert“.

Neben einigen kleineren Texten, die sich dem Thema „Dichtung und Wahrheit“ widmeten, zeigte Silvia Waltl dem read!!ing room-Publikum auch eine neue Seite. Märchenhaftes, Parodistisches und Komisches wehte durch den Raum. „Der Engel mit den Bohnen“ ist ebenfals eine neue Erzählung aus Waltls Repertoire, die von der Autorin absolut auf das Thema unseres Sommerfestivals „Hülsenfrüchte und Knallschoten“  zugeschnitten wurde. Der Aufbau erfolgte weitgehend parataktisch. Die einfachen Hauptsätze ergaben einen unverwechselbaren Rhythmus . Der „Engel mit den Bohnen“, ein  abgefuckter grappa- und wodkaverliebter Hausgeist, der zunächst im Samowar wohnte, dann in einen Koffer auf dem Kasten wanderte und schlussendlich seine letzte Behausung stilecht in einer leeren Grappaflasche auf dem Küchenfenster fand. Ein wunderbarer absurder Einfall jagte den nächsten und es ist sicherlich kein Zufall, dass der Hausgeist einen ganzen Sommer lang finnische Weihnachtslieder sang.

Es folgten Herbstgedichte („Fallobst“, „Strömen“). Der Schluss ging wieder ins Märchenhafte und erläuterte passend zum Engel mit Bohnen wieso die Ich-Erzählerin keine Prinzessin wurde.

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