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„Scheiße ist, wenn man druckt und druckt und nix kummt.“ Austrian Beat-Präsentation im read!!ing room

Eigentlich habe es ja bis auf Wolfgang Bauer keine wirkliche Beatniks in Österreich gegeben, räumte Elias Schneitter als Co-Herausgeber der „Austrian Beat“-Anthologie und Vertreter der Edition BAES ein. Da passte es doch ganz gut, dass Tom Burger, seines Zeichen Autor und Sprecher, den Texten von Wolfgang Bauer einen breiten Raum einräumte. Vor allem die „amerikanischen“ Gedichte von Bauer bestätigen, dass der Autor vom „Magic Afternoon“ zumindest eine der herausragenden Persönlichkeiten einer wie auch immer gearteten Austrian-Beat-Generation war.

Die Wilden vom Yppenplatz

Aber der Reihe nach: Ausgangspunkt für die von Elias Schneitter und Helmuth Schönauer herausgegebene Anthologie war eine Begegnung mit Autoren rund um die ehemaligen Wienzeile-Leute Geiger, Eigensinn und Frechberger am Wiener Yppenplatz… Eine Idee war geboren und ein Anfang war gemacht.  2018 erschien in der Edition BAES eine gut 260 Seiten starke Anthologie.

Peter Prieler und Rudolf Lasselsberger, als Autoren ebenfalls in der Anthologie vertreten, lasen eigene Texte und erinnerten mit ihren Beiträgen daran, dass es vielleicht doch so etwas wie eine österreichische Beat-Generation gegeben hat – wenn auch mit einigen Jahren Verspätung. Der Grund ist einfach. Viele von den Autor*innen, die in der Anthologie vertreten sind, waren Nachkommen der Beatniks. Vielleicht Hippies oder gar Punks…

Sowohl Lasselsberger als auch Prieler erinnerten an die enge Verbindung der Beatniks mit der Musik, der Spontanität und der Performance.  Auch wenn die Texte sich zeitlich nach der Beat-Generation verorteten, entsprach doch etliches deren Spirit. Letztendlich ist das Etikettieren von Autor*innen und Texten mit allgemeinen Labeln und Kategorien sowieso nur wichtig, um ein wenig Ordnung in die Rezensentendenke zu bekommen und tut eigentlich nichts zur literarischen Sache.

Elias Schneitter, Rudi Lasselsberger, Tom Burger (1. Reiher v.l.n.r.)
Peter Prieler,Tom Burger, Rudi Lasselsberger (v.l.n.r)

Erdnüsse für das read!!ing room-Volk

Die Beatniks beeinflussten die Hippies und  laut Lasselsberger sind die Gammler auch nicht weit. Aktionismus. Happening. Ein weniger 60er Jahre Feeling aber gern. Mit Aktionismus und Texten, die an die großen Musiker der Zeit erinnerten.

Folgerichtig schmiss der Autor der in Wien nicht unbekannten „Willi“-Texte mit Erdnüssen durch das „Sprechzimmer“ des read!!ing room und gab seine Gedichte „Schrei 1“, „Schrei 2“ etc. zum Besten. Anspielungen an Ginsbergs „Howl“ sind natürlich absolut nicht erwünscht. Auch Lasselsbergers Direktheit und sein unverblümter Ausdruck bis in die tiefsten Vorgänge der menschlichen Verdauung durften nicht fehlen und waren authentischer Ausdruck einer Haltung.

Leise Töne und ein starker Text

Nach dem Wolfgang-Bauer-Leseblock, schlug Peter Prieler andere Töne an. In einem bemerkenswert ruhigen, fast schon leisen Vortrag, las er seinen Text „Angelbabies“. Er beschreibt ein Konzert, das zu einer Art Aufstand, in jedem Falle zu einer Ausnahmesituation mutiert. Die zierlichen Angelbabies gegen „g’standene“ Securitys mit Kampferfahrung… Was dabei rauskommt ist ein Gemetzel. Prieler beschrieb den feinen Grad zwischen Massenhysterie und frenetischer Verzückung anhand eines Popkonzert in einem Stadion – umlegen ließe sich die Situation auf viele andere Bereiche…

„Wie Musik klingen die grausigen Schreie aus tiefsten Männerbäuchen in den Ohren von denen auf der anderen Seite des Drahtverhaues; versetzt sie in totale Raserei. Ihren heulbojenartigen Kampfruf ausstoßend, drängen sie in einer kollektiven Bewegung hin zu den Tunneleinstiegen…“ (Peter Prieler, Angelbabies. a.a.O; Seite 218)

Da waren sie die Schreie, die zur Musik wurden; der Beat, der sich steigerte, die Raserei, die Kampfrufe. Leise(st) vorgetragen von Peter Prieler…

Austrian Beat? In zarten Ansätzen sicher. Klar. Literarische Raserei? Kaum. Eine Bewegung, die alles mit sich riss? Mitnichten.

Wieso nicht? Einfach. Österreich ist zu sehr beschauliches „Theater-Café“, raunzert und  gemächlich, fast schon beschaulich. Da können noch so viele Erdnüsse durch den read!!ing room fliegen…


Austrian Beat – Hrsg. Elias Schneitter & Helmuth Schönauer

In dieser Anthologie sind Beiträge von 27 österreichischen Autorinnen und Autoren vereint, die alle mit dem „Beat“ in Verbindung stehen. Joe Berger, Wolfgang Bauer, ruth weiss, Günther Eichberger, Judit Pouget, Tom Antonic, Dieter Sperl, Thomas Frechberger, Wolfgang A. Eigensinn, Waltraud Haas, Thomas Northoff, Winfried Gindl, Helmuth Schönauer, Richard Wall, Stephan Eibel, Heinz D. Heisl, Robert Prosser, Bernhard Widder, Christian Loidl, Peter Prieler, Stefan Schmitzer, Martin Kolozs, Günther Geiger, Stephan Alfare, Isabella Breier, Rudolf Lasselsberger, Rudolf Krieger

ISBN: 978-3950-441956

276 Seiten
14,90 €

Das Buch liegt zur Ansicht im read!!ing room auf.

 

Veröffentlicht in Veranstaltungen

4 Kommentare

  1. Schon, dass Elias Schneitter und Helmuth Schönauer so ein Buch zusammengestellt hat. Der concert-turns-carnage-Text von Peter Prieler bei der Lesung war eindrucksvoll. Schön auch, dass Christian Loidl in dem Band vertreten ist, der für mich immer d e r Vertreter der Beat Poetry in Österreich war.

    • Neil Y. Tresher Neil Y. Tresher

      Sehe ich auch so. Vor allem Christian Loidls Vortrag war unvergleichlich… Er las seine Texte nicht, er performte sie!

    • Neil Y. Tresher Neil Y. Tresher

      Aber gerne geschehen! Auf ein baldiges neues Erlebnis!

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