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Besuch aus Berlin, Buchtausch und der Reiter auf dem weißen Schwein

Dienstag ist read!!ing room Tag. Selten war dieses selbst gewählte Motto von uns so wahr, wie am letzten Dienstag des Januars 2019. Bereits vor 17.00 Uhr ging es los. Read!!ing room „Chefiza“ Gabi Rökl empfing hohen Besuch aus Berlin. Der Bezirk Lichtenberg-Hohenschönhausen ist seit 2015 Partnerbezirk von Margareten. Vertreter*innen aus Berlin besuchten quasi ihr Pendant in Wien und ließen sich den „Kiez“, wie man in Berlin so schön sagt, zeigen. Neben dem Künstlerhaus stand auch ein Besuch des kulturellen Nahversorgers read!!ing room auf dem Programm, worüber wir uns sehr freuten.

Parallel besuchten uns etliche Buchtauscher*innen und durchstöberten die nach wie vor sehr gut gefüllten Regale. Etliche Bücher wechselten den Besitzer oder die Besitzerin.

Gemayröckelte Jandeln und andere Reime

Für den unbestrittenen Höhepunkt sorgte Christian Schwetz mit einer Impulslesung, die zu einem Feuerwerk wurde. Zur Erinnerung: Die Impulslesung findet an einem Dienstag statt, dauert genau 30 Minuten. Es kommt zu keiner Einleitung, keinem Firlefanz – es geht um die Literatur.

Christian Schwetz reizte das Format aus, indem er meinte, dass die Begrüßung des Publikums zwar von der Lesezeit abgezogen wurde… und wilderte dann ganz ordentlich bei der Wiener Gruppe – vor allem bei Ernst Jandl – frönte Kinderreimen im besten Sinne und zog manche Reime so weit, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes brachen. Auch waren einige deutliche Reminiszenzen an die Kamillentee versus Bier-Challenge zu spüren.

Schwetz präsentierte Gedichte, die gleichzeitig Songtexte und Abgesänge auf die eigene Einsamkeit waren, Liebesgedichte, die mit einer herzerfrischenden Naivität (im positiven Sinn) geschmettert wurden. Außerdem gab es Mantras, die Zigaretten lobhudelten und ein vollkommen schräges Neo-Wienerlied mit leichtem Brecht-Einschlag (über die genaue Definition darf gestritten werden) mit dem wunderbaren Titel  „Ich bin der Reiter auf dem weißen Schwein“.

Den Schluss der 30 Minutenlesung bildete ein Text aus dem Jahr 1985. Es handelte sich um eine  Art „10 kleine Jägermeister“- Aufzähltext  im umgekehrten Sinn. Schwetz erzählte von einer jungen Frau, einem Tankwart und einem Auto und steigerte das ganze auf 30 junge Frauen, 30 Autos und 30 Tankwarte in der Hoffnung von der Glocke der Impulslesung unterbrochen zu werden. Gott sei Dank wurde ihm dieser Gefallen nicht getan, denn das Publikum wollte mehr. Als Draufgabe gabe es das Finale aus „Am Anfang war das A“… die unnachahmlichen „Zijtronschy“…

Christan Schwetz reitet das weiße Schwein...

 

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