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Peter Campa las „Der Frühpensionist“

Peter Campa eröffnete die Reihe der Einzellesungen in diesem Sommer

Friedrich Kudrna ist ein alter Bekannter im read!!ing room. Bereits im Februar gab Peter Campa Einblicke in das Leben seiner neuesten Figur, die sich nahtlos in die Reihe der literarischen Wiener Originale, wie Mundl Sackbauer oder Kubastas Matscho, einreiht. Die erste Kurzgeschichte präsentierte Herrn Kudrna auf einem Ausflug in die Lobau. Campa ließ es sich nicht nehmen Herrn Kudrna mit einem neuem Elektrofahrrad samt Kurzeinführung über die FKK-Bewegung in Wien zum Baden an die Dechantlake zu schicken. Nach Friedrich Kudrna erwies Franz Joseph Heißenbüttel seine Reverenz an das Motto des Vorjahres: die Hundstage. Heißenbüttel, eine Figur, die man mit ziemlicher Sicherheit in den Tschocherln und Wirtshäusern der Stadt finden würde, besaß nicht nur ein sehr eigenes Äußeres (Stichwort Präservativmütze), sondern auch einen ungarischen Hirtenhund mit dem wunderbaren Namen Farkas. Die zweite Kurzgeschichte war vor allem eine Reflexion über das Alter. Franz Joseph mochte das Alter nicht, genauso wenig wie den Jugendwahn. Die Figur des Franz Joseph Heißenbüttel war der festen Ansicht , dass das Alter zu Vorurteilen führen würde: Entweder sei man zu alt oder zu jung für etwas. Er konnte sich auch nicht vorstellen, dass man mit dem Alter ruhiger werden würde. Da spielte natürlich das Thema Alterssex eine Rolle; gezielte Seitenhiebe auf stadtbekannte Baumeister inklusive.

Als dritter Frühpensionist wurde uns Alex Leherbauer präsentiert, der in einer Substandardwohnung im 5. Gemeindebezirk lebte. Überhaupt streute Peter Campa etliche Bezüge zu Wien-Margareten in seine Lesung ein. Der Frühpensionist lernte schmerzlich, dass das Schauen der Barbara-Karlich-Show, einer beliebten Talkshow im Nachmittagsprogramm des österreichischen Fernsehens, kein Lebensinhalt sein konnte. Als Alternative zur Karlich-Show unternahm Leherbauer einen Spaziergang durch den Reumannhof und hin zum Cafe Industrie. In diesen Passagen knüpfte der Autor an seine „Reise“-Bücher an. Die Geschichte mutierte zu einer kleinen Hommage an den 5. Wiener Bezirk und vor allem an die heute wenig geliebte Gegend um den Margaretengürtel samt Ausflug in die Geschichte des Gürtels, des Haydnparks und Neumargaretens.

Noch in eigener Sache: Die Lesung von Peter Campa fand nicht ohne Hindernisse statt. Bevor der read!!ing room aufsperren konnte, mussten wir uns erst durch eine wahre Büchermauer kämpfen, die unseren Eingang versperrte (siehe Beweisfotos). Beim Anblick der Büchermauer fiel mir die abgewandelte Songzeile „Another Book in the Wall“ ein. Die Geste, uns Bücher zum Weitertauschen zu schenken, ist ungemein nett und freut uns außerordentlich. Allerdings sollte man uns vorwarnen, damit wir die Bücher in Empfang nehmen können.

Unsere Lesereihe „Summa in da Stadt“ findet heuer unter dem Motto: „Pack die Badesachen ein“ statt und wird aus dem dezentralen Kulturbudget des Bezirks Margareten unterstützt.

Veröffentlicht in Büchertausch Veranstaltungen

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