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Österreichische Zeitgeschichte im Romanformat. „Die Weißen“ von Luis Stabauer

Luis Stabauer Lesung im read!!ing room 11. Oktober 2018

Luis Stabauers Bücher basieren meist auf realen, zeitgeschichtlichen Figuren. Bei seinem neuesten Roman „Die Weißen“ geht der 1950 in Seewalchen geborene Autor noch ein Stück weiter. Er greift die wichtigsten Themen der Zeitgeschichte – Austrofaschismus, Nationalsozialismus, Widerstand aber auch die Nachkriegszeit und den Prager Frühling –  auf und verbindet diese Ereignisse mit der Lebensgeschichte seiner Hauptfiguren. Sein Roman „Die Weißen“ bettet die große Geschichte, das was wir Historie nennen, in die Lebensgeschichten von Ernst und Franzi ein. Genauso sind Ernst und Franzi Patosek Mosaikstücke des großen historischen Bildes. Beide sind nicht nur Wahlgeschwister, sondern auch Mitglieder der Widerstandsgruppe „Die Weißen“, die von Franzis Vater geleitet wurde. Dies ist auch mehr oder weniger der historische Ausgangspunkt des Romans.

Während des Krieges verlieren sich die beiden aus den Augen, um sich 65 Jahre danach wieder zu treffen. Er beschreibt zwei unterschiedliche Lebensentwürfe und die persönlichen Kämpfe, die Ernst und Franzi auch nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, ausfechten mussten.

… Heinrich Gross

Luis Stabauer las vereinzelte Kapitel aus dem Buch, die er mit kurzen Schilderungen und Hintergrundinformationen untereinander verband. Einen besonderen Stellenwert haben die Geschehnisse um Dr. Heinrich Gross und die Kinder vom Spiegelgrund. Ernst wurde zweifach das Opfer des berühmt-berüchtigten NS-Arztes. Auch dieser Teil des Romans hat ein reales Vorbild.

Es ist sicherlich die große Leistung von Luis Stabauer nicht nur einen weiteren „Widerstandsroman“ geschrieben zu haben, sondern anhand von zwei unterschiedlichen Lebensgeschichten zu zeigen, dass die Ereignisse von 1934, 1938 usw. ihre Auswirkungen bis in die jüngere Vergangenheit, wenn nicht sogar in die Gegenwart haben. Der Roman skizziert die, wie es Emmerich Talós nannte, „konfliktreiche Entwicklung Österreichs im 20. Jahrhundert“  in einem unaufgeregten, fast schon sachlichen Ton und ist dabei ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen jegliche Schlussstrichdebatte.

Der Margaretner Autor Ernst Hinterberger meinte einmal in einem Gespräch, dass es wichtig sei die Geschichten der kleinen Leute zu erzählen. Luis Stabauer hat mit „Die Weißen“ sicherlich ein gutes Stück zu dieser Erzählung beigetragen.


Link zum Verlag: Hollitzer Verlag

Veröffentlicht in Allgemein

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