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Familien- und Zeitgeschichte mit einer kleinen Dystopie

Vor ziemlich genau zwei Jahren präsentierte Luis Stabauer „Die Weißen“ im read!!ing room. Im Zentrum des Romans standen der Austrofaschismus und Heinrich Gross. Auch beruhte das „Opus Magnus“ auf einer realen Vorlage.

Mit „Brüchige Zeiten“ legte Luis Stabauer erneut einen spannenden Roman vor. Er bearbeitete die unmittelbare (politische) Gegenwart und rückte das aktuelle Buch in eine dystopische Zukunft.

Luis Stabauer mit Maske Brüchige Zeiten read!!ing room
Die türkise Maske ist dem Buchcover geschuldet!

Die Hauptfiguren Lucía und Fabian wurden frei erfunden. Lucía ist in den Vierzigern, Lehrerin und geschieden. Sie ist politisch links eingestellt und macht auch keinen großen Hehl daraus. Die zweite wichtige Figur ist ihr Sohn Fabian, dessen gesamte Entwicklung von der Jugend bis ins Erwerbsleben dargestellt wird.

Luis Stabauer bleibt dem Rahmen der Familiengeschichte treu. Auch in seinen anderen Werken bettet er die historischen Ereignisse in den Rahmen eines Familienromans. Allerdings verleiht Stabauer diesmal zwei Protagonist*innen eine Stimme; Luc´´ia, der linksaktivistischen Mutter, die zur Aussteigerin wird und Fabian, der rechtsgerichtete Sohn, der auf dem Weg ist, Karriere in einem autoritären Staatsgebilde zu machen. Die politisch unterschiedlichen Haltungen entzweien die beiden Protagonisten. Sie sind – so baut Stabauer die These auf – Resultat von Prägungen durch unterschiedliche Milieus.

Luis Stabauer Brüchige Zeiten read!!ing room 2. Oktober 2020

Unterschiedliche Erzählebenen und Formate

Stabauer mischt die Haltung eines allwissenden Erzählers mit langen Episoden in Form von therapeutischen Gesprächen. So kann er nicht nur die unterschiedlichen Sichtweisen seiner Figuren pointierter darstellen, sondern auch die Erzählhaltung wechseln. Insbesondere das Therapiegespräch ist nicht nur ein Kunstgriff, sondern, wie bereits angedeutet, ein wichtiges Mittel, mit dem sich der Autor seinen Figuren nähert. Dies liegt wohl auch in der Profession des Autors begründet, der ab 2003 als Coach, Trainer und Berater in Wien arbeitete. Man gewinnt den Eindruck als würde der Autor Stabauer dem Coach Stabauer Platz machen um sich den „Klienten“ spricht den Hauptfiguren zu nähern.

Ein weiteres Element, das Stabauer einsetzt, ist jenes des Roadmovies resp. des Reiseromans. Lucía gibt ihre bürgerliche Existenz auf uns reist per Wohnmobil durch halb Europa. Die Orte spielen dabei eine nicht unbeträchtliche Rolle, wurden sie doch vom Autor genau recherchiert und besucht. Ebenso genau recherchiert sind die Informationen über das Gefängnis Schwarzau, die Burschenschaften etc.

„Brüchige Zeiten“ reiht sich fast nahtlos in Luis Stabauers Werk ein. Man könnte den Eindruck gewinnen, als wolle der Autor seine ganz persönliche Geschichte Österreichs des 20. und 21. Jahrhunderts schreiben. Bei diesem Unterfangen könnte man sich auch einen Autobiografie vorstellen. Wir werden sehen.

Cover Brüchige Zeiten Luis Stabauer

Luis Stabauer, Wien: Hollitzer Verlag, 2020, 282 S., 13,8 x 21,7 cm, Hardcover mit Schutzumschlag

  • ISBN 978-3-99012-808-4 (hbk) € 23,00        .
  • ISBN 978-3-99012-809-1 (epub), € 19,99


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Rezension KURIER: https://kurier.at/kultur/buch/buchkritik-luis-stabauer-und-bruechige-zeiten/401035661

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