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Impulslesung: „Der Mann, der nur mehr Sonderangebote kaufte…“

Oft liegt im Alltäglichen, in den täglichen Verrichtungen, denen wir im Normalfall nicht allzu viel Beachtung beimessen, durchaus jener Stoff aus dem ein wunderbares Stück Literatur entstehen kann. Bruno Jaschke stellte diese These in seiner Impulslesung im read!!ing  room unter Beweis.

Der tägliche Einkauf gibt normalerweise literarisch nicht viel her. Vielleicht als Schreibimpuls für einen Literaturworkshop oder als kleine Fingerübung für zwischendurch. Für einige Menschen ist jedoch die Jagd nach Rabatten und Aktionspreisen mehr als eine Notwendigkeit oder ein schräges Hobby. Aktionspreise und Preisreduktionen sind beliebt. Selbst, wenn der vermeintliche Rabatt vorher auf den Grundpreis aufgerechnet wurde…

Es soll ja Leute geben, die das Durchforsten von Aktionspreisen zu einer wahren Kunst erhoben haben. Auch die eine oder andere App auf dem Smartphone erleichtert die Suche nach Rabatten.

Der Held und unfreiwillige Statisten

Bruno Jaschkes Held ist da anders gestrickt. Sein Vorsatz nur mehr von Rabatten, Aktionen und Sonderposten zu leben ist konsequent – fast schon radikal. Die Prämisse, dass man nur das Notwendige kauft wird von Jaschkes Held vehement abgelehnt. Bei ihm gilt: „Geiz ist besonders geil, wenn ich alle Sonderangebote kaufen kann“ Und so erinnert „der Mann, der nur mehr Sonderangebote kaufen wollte“ eher an einen Performancekünstler, der den Gang durch den Supermarkt zu einem Happening werden lässt, bei dem das Supermarktpersonal und die anderen Kunden zu den unfreiwilligen Statisten und Zuschauern einer bis ins Extreme ausgeführten Aktion werden. Schlussendlich landen mehrere prallgefüllte Einkaufswagen an der Kassa…

Bruno Jaschkes Impulslesung wurde – so wollen es die Spielregeln – brutal unterbrochen. Allerdings war die Einkaufstour des Mannes, der nur mehr Sonderangebote kaufte, derartig spannend, dass das anwesende Publikum den Schluss der Erzählung herbeisehnte. Als Zugabe las Bruno Jaschke die Episode an der Kasse, die der vorangegangenen Schnäppchenjagd in nichts nachstand. Ich sage nur:“Zweite Kasse, zweite Kasse…“

„Der Mann, der nur mehr Sonderangebote kaufte“ bestätigte Bruno Jaschkes Faible für genaue Darstellungen und seinen literarischen Hang alltägliche Situationen ins Aberwitzige und Schwarzhumorige zu übersteigern. So funktioniert Satire am Besten. Man nehme was da ist und walke es aus…

Übrigens: Jaschkes letztes Buch trägt den wunderbaren Titel „Im Arsch daheim“ und ist im Arovell-Verlag erschienen..

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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