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Fußballabend mit gesellschaftspolitischem Anspruch

Matthias Sindelar, genannt „Der Papiernerne“

Nach dem Prinzip der „dokumentarischen Dichtung“ lasen Kurt Raubal, Gabriele Rökl und Neil Y. Tresher Texte aus Wissenschaft, Geschichte und Presse vor, die sich mit den gesellschaftlichen, politischen und sportlichen Begebenheiten des Wiener Fußballs in der Zeit zwischen 1925 und 1945 beschäftigten. Am Beginn der Lesung betonte Neil Y. Tresher, dass wenn Fußball eine Religion sei, man an diesem Abend eine Ökumene begehen wolle. Tatsächlich waren die Gäste und Lesenden Fans von den verschiedensten Clubs, wobei natürlich Rapid Wien und FK Austria überwogen.

Die Lesung begann mit Ausführungen zur Hakoah, die 1925 der erste Meister im Profifußball war. Man ging über „zur Zäsur“ von 1938. Die Lesung brachte Propagandatexte, die von der Vereinigung der deutschen und österreichischen Brüder im großdeutschen Reich sprachen und beleuchtete gleichzeitig die Themen Widerstand im Fußball, Exil und Konzentrationslager. Aber auch die ballesterische Seite kam nicht zu kurz. Neben zwei kurzen Filmbeiträgen zu den Spielen Schalke / Admira aus dem Jahre 1939 (Ergebnis 9:0 für Schalke) und dem Meisterschaftsendspiel zwischen Schalke und Rapid im Jahre 1941 (3:4) wurde auch gezeigt, dass die Spielstile der deutschen und wienerischen Schule nicht vereinbar waren.

Einen besonderen Stellenwert wurde Matthias Sindelar, Legende der Wiener Austria, eingeräumt. Die berechtigte Frage, ob Sindelar sich nicht doch mit den Nazis „arrangiert“ hatte, wurde gestellt, konnte jedoch nicht eindeutig beantwortet werden. Auch Norbert Lopper, Austria-Sekretär der Nachkriegszeit, der während des Krieges in Belgien im Exil lebte, wurde öfters zitiert. Dass Kultur, Fußball und Politik in einer Person vereint sein können, bewies eindrucksvoll und verstörend die Biografie von Beda Löhner.

Alle Besucher/innen – unter Ihnen auch einige, die dem Spiel um das runde Leder, wenig abgewinnen können –  zeigten sich begeistert und allen wurde bewusst, dass – auch heute noch – gesellschaftspolitische Entwicklungen sehr deutlich am Beispiel Fußball abgelesen werden können.

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