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“Friedinger” und “Die Bewässerung der Wüste”

Stefan Kutzenberger und Peter Marius Huemer stellten ihre Erstlingsromane im read!!ing room vor.

Stefan Kutzenbergers Roman “Friedinger” ist eine Reflexion über das Schreiben und die Entstehungsgeschichte eines Romans. Der Ich-Erzähler Kutzenberger und der Autor Kutzenberger haben sehr starke gemeinsame Schnittstellen. Die Personen scheinen identisch. Ob Sie es jedoch wirklich sind, ob “Friedinger” tatsächlich ein Stück autobiographisches Schreiben ist, das weiß wahrscheinlich nur der Autor Kutzenberger selbst. Aber der Reihe nach.

Schreiburlaub auf Kreta

Der Ich-Erzähler Kutzenberger will einen Roman schreiben. Aber wie es so ist, bekommt er es nicht wirklich hin. Darum hat er von seiner Frau einen Schreiburlaub auf Kreta geschenkt bekommen. Ausgerechnet Kreta in der Nachsaison. Ideal zum Schreiben. Ideal um einen seiner drei Stoffe zu Papier zu bringen. Doch außer Prokrastination (Achtung Fremdwort) kommt da nicht viel. Wäre da nicht der seltsame Gast namens Friedinger.

Friedinger erzählt Kutzenberger eine abenteuerliche und abstruse Geschichte nach der anderen. Es geht um verbotene Waffenlieferungen und heimtückische Morde, um Politik … Die Dinge überschlagen sich und Kutzenberger kommt so endlich zu seinem Stoff.

Während der Lesung präsentierte Stefan Kutzenberger leider wenig von diesen rasanten Geschichten. Er skizzierte Kutzenberger eher als Schwerenöter der auf junge französische Rucksacktourist*innen abfährt und ließ seine eigentliche Figur Friedinger geschickt hinter Kutzenberger verschwinden, was natürlich ein starkes Kaufmotiv für den Roman war…


“Die Bewässerung der Wüste”

Peter Marius Huemer begann die Lesung mit dem Prolog. Der Falter schreibt zu Huemer: “Er ist ein Autor, der noch Großes vorhat. Was er in seinen Debütroman verpackt, ist bemerkenswert. Huemers Handlung beginnt in einer Stadt, die durchaus Wien sein kann.” Die Beschreibungen der Universität samt Kriegsszenario erinnern frappant an den Arkadenhof der Alma Mater am Ring. Hier führt Huemer seine Hauptfigur ein: Persephone, eine Studentin der Archäologie, die mitten im Bomben- und Granatenhagel nach Schutz sucht. Die Beschreibung dieser Passage erinnert an ein World Press Photo – überhaupt schreibt Huemer sehr plastisch. Man spürt den Staub, den Dreck und den Sand förmlich auf der Zunge.

Eine Studentin namens Persephone. Wirklich?

Über den Krieg erfahren wir nichts. Es ist zunächst ein “lose end”. Stattdessen bekommen wir mit Professor Thiel einen alternden Archäologen und Säufer vorgestellt. Leider ist die Namenswahl Thiel (ebenso wie jene von Persephone – zu viel Bildungsbürgertum!) nicht unbedingt glücklich, da sofort Assoziationen geweckt werden. Bei der Beschreibung des Alkoholikers Thiel kommt mir sofort der Gedanke an Börne und Thiel, wohl bekannt aus dem Tatort zu Münster.  Gerade dieser Thiel in seinen verzweifelten rumgeschwängerten Bemühungen doch noch den wissenschaftlichen Durchbruch zu machen, wirkt ein wenig wie das kaputte alter Ego des eitlen Pathologen und Pfaus Karl Friedrich Börne in der körperlichen Gestalt von Komissar Thiel. Aber das nur nebenbei.

Thiel benutzt als letzten Ausweg Persephone und am Schluss steht er tatsächlich in der Sahara und lässt “von Arbeitern die Wüste ausschaufeln” (Falter), um endlich seinen Fund zu machen. Doch dann kommt der Sturm. Huemer schließt seinen Leseteil erneut sehr plastisch und sehr kryptisch!

https://www.facebook.com/readingroomwien/videos/1950989394935846/?t=0http://

Veröffentlicht in read!!ing room Organisatorisch

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