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Doris Fleischmann setzt Margaretner Grätzl ein literarisches Denkmal

BuhcoverMeistens sind Autor*innen ja eher „g‘schamig“ und verraten ungern die Vorbilder und biographischen Bezüge in ihren Romanen. Doris Fleischmann ist da anders. Freimütig erzählt die Margaretner Autorin über die Vorbilder ihres ersten Romans. Die Autorin entschuldigte sich sogar dafür – Achtung Spoileralarm – dass das Foto auf dem Buchcover nicht das Originalhaus zeige.

Die Geschichte eines Hauses – ein Haus mit Geschichte

Der Titel „Alles, was bleibt oder ein Haus in Wien“ verrät schon viel über den Inhalt. Der Protagonist des Romans ist in der Tat ein Wiener Wohnhaus, dessen Vorbild das 1911/1912 errichtete Gebäude mit dem Hausnamen „Jägerhorn“ auf der Wiedner Hauptstraße 108 im V. Wiener Gemeindebezirk ist. Im Haus wohnen 5 Parteien, wie man es etwas bürokratisch formuliert, die meisten von ihnen haben einen bürgerlich-humanistischen Lebenshintergrund. Hinzu gesellt sich Frau Wolf, die eine Buchhandlung im „Parterre“ betreibt. Die 5 Parteien setzen sich zusammen aus einem Antiquitätenhändler, einer ehemaligen Ballerina, einer Schriftstellerin, zwei Studentinnen und einer eher als konservativ beschriebenen Familie mit einem neunzehnjährigen Sohn. Alle verbindet natürlich das gemeinsame Wohnhaus, das Haussommerfest, aber auch persönliche Dinge…

Jedes Kapitel – eine andere (Familien)Geschichte

Das Buch ist so aufgebaut, dass in den einzelnen Kapiteln die jeweiligen Geschichten der einzelnen Hausparteien erzählt werden. Fleischmann skizziert einen kleinen Wiener Mikrokosmos und situiert ihren Roman ganz bewusst im Grätzl um den Klieberpark, wobei es bei der Lektüre des Romans nicht wichtig ist, das Grätzl zu kennen. Wie so oft bei Romanen, die auf realen Orten und Begebenheiten fußen, könnte die vermeintliche „reale“ Realität der Leserealität der Leser*innen respektive der Stimmung des Buches widersprechen.

Daher ist es bei aller Grätzlkultur und Liebe zum Bezirk doch wichtig zu betonen, dass Doris Fleischmann mit „Alles, was bleibt oder ein Haus in Wien“ einen historischen Roman vorgelegt hat, der bisweilen auf allzu – nennen wir es einmal – naturalistische Darstellungen und auf ein reines Referieren von Fakten verzichtet. Das Haus in der Wiedner Hauptstraße beherbergte so zum Beispiel niemals eine Buchhandlung. Auch andere Dinge sind frei erfunden. Und das ist auch gut so.

Für die Besucher*innen der Lesung und vor allem für uns als read!!ing room war es ein reines Vergnügen die Geschichten rund um das Haus in der Wiedner Hauptstraße, das auch bei unserer kult.tour zur Wiedner Haupstraße prominent vertreten ist, zu hören.

Mit „Alles, was bleibt oder ein Haus in Wien“ reiht sich Doris Fleischmann in eine lange Reihe von Autor*innen ein, die Margareten zum Schauplatz ihrer Erzählungen, Romane und Lyrik auserkoren haben. Ihr Roman ist somit ein weiterer Mosaikstein in der literatischen Bezirksgeschichte des V. Wiener Gemeindebezirks.


Link: Doris Fleischmann / Hollitzer Verlag

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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