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Eine „gemütliche“ Wiener Dystopie

Thomas Burger – Der Schlüsselwächter – Sirius City of Vienna

Thomas Burger: "Sirius City of Vienna" – Lesung am 27. Januar 2017.

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 28. Januar 2017

Viele Autor/innen fangen mit Kurzgeschichten oder einer Erzählung an. Tom Burger legte gleich einen zweibändigen dystopischen Roman vor. Er entwirft rund um seinen Helden Xaver eine negative Zukunftsvision. Xaver, Frontman einer Heavy-Metal-Band, wird eher unfreiwillig zum Leader des Widerstandskampfes gegen die Sirianer und durchlebt dabei mehrere „Stadien“. Die Handlung ist durchaus komplex. Alleine die Tatsache, dass die Hauptfigur sich von einem pazifistischen Franz Xaver Herbstmeister in einen „Namenlosen“ verwandelt, um dann zum Crackmaster zu werden, zeigt dass hier ein Charakter in epischer Breite entwickelt wird.

Thomas Burger verpackt in seinen Roman gleich zwei Geschichten. Wir erleben die Verwandlung von Xaver zum Crackmaster, der die Sirianer in Wien bekämpft. In einem zweiten Teil scheint der Held von „Sirius City“ dem Wahnsinn zu verfallen. Der Titel ist bereits Programm: „Brainwave“. Nach gewonnener Schlacht gegen die Kontrollfreaks der Sirianer, werden die Leser/innen mit auf  eine Reise genommen. Die Ebenen zwischen reiner Fiktion und Realität (aus der Perspektive der Hauptfigur) verwischen zunehmend. „Wie wahr ist die Wahrheit? Wie fiktiv die Fiktion?
Die Antwort liegt im Detail – des Rätsels Lösung in uns selbst. Hochspannung bis zur letzten Seite ist garantiert!“ formuliert es der Autor in seinem Exposé.

Wienerische Dystopie

Wie bei den meisten dystopischen Werken handelt es sich bei „Sirius City of Vienna“ um eine Projektion aus der Gegenwart in eine mögliche Zukunft. Burger kommentiert das Hier und Jetzt. Seine Sirianer lassen sich als Metapher für die weitreichende Einschränkung persönlicher Freiheiten und den ausufernden Überwachungsstaat interpretieren.

Thomas Burger präsentierte in einer knapp einstündigen Lesungen unterschiedliche Kapitel und gab so einen guten Einblick in dieses Mammut-Werk. Er benutzte zwar viele Elemente, die aus der Genre-Literatur und aus den entsprechenden Filmen bekannt sind, schaffte es jedoch spielend seinen Figuren, seinen Dialogen und auch den Szenen etwas Urwienerisches zu lassen. Ein bewusst süffisanter Erzählerton und Dialoge, die direkt aus der Vorstadt stammen, machen Sirius City of Vienna zu einer Dystopie mit einem ordentlichen Schmäh. Da stört der Machismo des Crackmasters auch nicht weiter.

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