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Candide – oder der Optimismus, der keiner sein soll

1759 schrieb Voltaire mit „Candide – oder der Optimismus“eines seiner bekannteren Werke. Auf Basis eines Schelmenromans rechnete er bedingungslos mit dem deutschen Idealismus à la Leibniz ab.  Voltaire war ganz und gar nicht der Meinung, dass die Menschen in der „besten aller Welten lebten“. Er fand übertriebenen Optimisus als unangebracht. Daher ließ er seinen Helden die absurdesten Abenteuer durchleben.  Er warf einen sehr bizarren Blick auf die deutsch-französische Freundschaft – kannte er doch sowohl den „französischen Manierismus“ in Versailles als auch die „Bodenständigkeit“ Friedrichs des Großen.

„Candide“ ist ungemein vielschichtig. Man könnte das Buch fast schon als Rundumschlag bezeichnen: Der 7-Jährige Krieg wird gestreift und die Inquisition darf auch nicht fehlen, ebenso verarbeitet er das Erdbeben von Lissabon.  Voltaires Satire besteht darin, alle bekannten Katastrophen und Kriege in einem einzigen Buch zu verdichten. Gerade die Entsetzlichkeiten, die Candide und seiner Angebeten Kunigunde passieren, sind das Fundament von  Voltaires „Lektion“. Wenn es um die Menschheit geht, sei Pessismismus angesagt. Er wirft außerdem Fragen der Doppelmoral und der Theodizee auf. Die Reise des Candide ist somit mehr als ein negativer Schelmenroman. Die Abenteuer dienen – wie bereits gesagt – im Wesentlichen einem Zweck: Es ist nicht gut bestellt um die Menschheit. Man lebt eben nicht in der besten aller Welten. Allerdings läßt selbst Voltaire eine Hintertür für den Optimismus mit der vielzitierten Metapher  „cultiver son jardin“ – „den eigenen Garten bestellen“  offen.

Gerade in Zeiten, in denen der aktuelle Zustand als alternativlos deklariert wird (es grüßt Tante T.I.N.A.), ist es sehr schön sich auf die Philosophen der Aufklärung zu besinnen – und vielleicht zeigt uns Voltaire einen möglichen Weg: Satire als Weg hin zur Vernunft.

Ein einzigartiger Horst Dinges präsentierte am 20. Januar eine Lesefassung des heute nicht mehr ganz so zugänglichen Textes. Herrliche Dialoge brachten die wenigen Zuschauer zum Schmunzeln. All jene, die sich nachträglich grämen diese wunderbare Performance verpasst zu haben, sei gesagt: „Geschieht euch recht!“

Horst Dinges las "Candide"

Horst Dinges liest: "Candide" von Voltaire. Erstes Kapitel. Lesung am 20. 01. 2017.

Posted by read!!ing room – Verein zur Förderung von Alltagskultur on Samstag, 21. Januar 2017

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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