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Der alte Hund und Jakobiner in der Lepoldau

Cover: Der alte Hund

Die erste Lesung des Jahres 2018 bestritt Peter Campa. Er brachte sein am 20. Oktober 2017 erschienenes Buch „Der Alte Hund“ mit.  Natürlich las er zunächst die titelgebende Geschichte „Der alte Hund“.

Der alte Hund

Die Kurzgeschichte beginnt mit einer Charakterisierung von Franz-Josef Heißenbüttel, dem man eine gewisse Sonderstellung (im Buch) nicht absprechen. Einige würden ihn vielleicht sogar als sonderbar einstufen – zumindest als Einzelgänger. Heißenbüttels Hobby besteht darin mit seinem ungarischen Hirtenhund Farkas durch Wien zu ziehen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht die Kaffeehäuser seiner Jugend aufzusuchen. So etwa das Café Einhorn in der Joanelligassi. Interessanterweise scheint das Café Einhorn so etwas wie ein Kultkaffeehaus unter den Wiener Literaten zu sein.  Neben Peter Campa widmete auch  Christian Moser-Sollmann diesem spektakulären Ort im Wiener 6. Bezirk weite Strecken seines Romans.

Peripatetiker im modernen Sinn

Die Streifzüge der Figuren Friedrich Kudrna und Franz-Josef Heißenbüttel dienen einzig und allein dazu, Reflexionen und Beobachtungen zu einem bestimmten Thema zu transportieren. Es ist naheliegend, dass eine Geschichte mit dem Titel „Der alte Hund“ Betrachtungen und Anekdoten zu den Themen Alter und Jugend enthält.  Heißenbüttel ist das Thema Alter unangenehm. Voller Schabernack referiert Campa, wie mit zunehmendem Alter die Wahrnehmung seiner Figur mit jener von Bekannten differiert. Da kann es schon passieren, dass die eigenen grauen Haare gar nicht wahrgenommen werden. Als eine weibliche Zufallsbekanntschaft Heißenbüttel  mit dem Satz: „Färb Dir die Haare, dann geht es Dir besser…“  konfrontiert, scheint Heißenbüttel  die Welt nicht mehr zu verstehen.

Der Jakobiner in der Leopoldau

Campa las außerdem die bisher noch unveröffentlichte Geschichte „Der Jakobiner in der Leopoldau“. Auch bei diesem Text setzt der Autor auf ein bewährtes Prinzip. Die Rahmenhandlung transportiert zahlreiche Geschichten und Geschichterln über die Leopoldau, die sich im Osten Wiens erstreckt. Friedrich Kudrna und Franz-Josef Heißenbüttel trinken gemeinsam Bier in der Wohnung in der Donaufelder Straße. Kudrna nutzt die Gelegenheit um sich langsam aber sicher mit Bier abzufüllen. Heißenbüttel nutzt ebenso die Gelegenheit um über die Leopoldau und insbesondere Graf Hebenstreit, das Eipeldauer Lied, den Jakobinismus in Wien, die Eipeldauer Briefe und schlussendlich über die Ziegen beim Rinterzelt zu referieren. Campa führt mit dieser Technik die Lokalgeschichte der Leopoldau auf und mischt seinen Ausführungen einige Spritzer Lokalkolorit hinzu. Ein kleiner Seitenhieb auf Sebastian Kurz darf nicht fehlen und auch die Bedeutung und Herkunft des Namens Deutsch-Wagram wurde gelüftet.

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