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Fester Stand direkt in den Abgrund. Sven Stäcker las Ödön von Horvath

„Als Ringelnatz den Fußballwahn entdeckte und Brecht „mehr guten Sport“ für den Baal im Manne forderte, machte sich Ödön von Horvath ganz klein. Sport war für ihn Ausdruck einer „völlig ungeistigen Individualität“, und deshalb enden die meisten seiner 19 Sportmärchen tragisch: Hoch- und Turmspringer stürzen ab, der Ringer wird vom Tod aufs Kreuz gelegt.“ (FAZ, 24. 01. 2006)

In der Tat gehen jene Sportmärchen, die Sven Stäcker für die Ödön von Horvath-Lesung zusammen gestellt hatte,  meist schlecht für die Hauptfiguren aus. Aber das verwundert uns eigentlich nicht, denn Ödön von Horvath, der 1938 tragisch aus dem Leben schied, ist nicht allzu bekannt dafür, dass er „ein ganz ein Lustiger“ ist. Zumindest vordergründig nicht. Aber wie bei den meisten Dingen, sollte man genau hinschauen oder genau hinhören.

Verstreute Kurzprosa zeigte eine andere Seite von Horvath

Die Gelegenheit genau hin zu hören, bot Sven Stäcker bei der ersten Ausgabe des „Österreichischen Lesetages“ an der sich der read!!ing room beteiligte. Sven Stäcker las Kurzprosa und Skizzen, sowie einige der Sportmärchen von Ödön von Horvath und zeigte dem anwesenden Publikum eine eher unbekannte Seite des Autors von „Jugend ohne Gott“ oder den „Geschichten aus dem Wiener Wald“.

Ödön von Horvath, der allgemein als gesellschaftskritischer Theaterautor eingestuft wird, stellte mit den Sportmärchen  seine „märchenhafte“ Seite unter Beweis. Die Sportmärchen sind ein satirischer – teilweise schon bösartiger – Kommentar auf  die Sportbegeisterung der 1920er-Jahre. Viele der vorgetragenen Kurzprosatexte erschienen zwischen 1924 und 1933 in Zeitschriften wie „Simplicissimus“, der „Jugend“ oder der „Vossischen Zeitung“. Sven Stäcker verstärkte diesen Aspekt deutlich indem er die Texte quasi vom Tod selbst vorlesen ließ.

Sven Stäcker las aber auch Texte wie „Die Geschichte einer kleinen Liebe“, der wahrscheinlich bereits 1924 entstand. Die Kurzgeschichte arbeitet mit den Mitteln des Kontrastes und zeigt ein Thema, das wir öfters bei Horvath finden; die Brutalität der vermeintlichen Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau.

Der österreichische Vorlesetag

Mit dem Österreichischen Vorlesetag, der am 15. März zum ersten Mal stattfand, soll laut Veranstalter*innen (Echo Verlag) „ein spürbarer Impuls für mehr Literatur im Alltag gegeben werden. Lesen ist der Grundpfeiler von Bildung und damit wohl unsere wichtigste Kulturtechnik.“ Vor allem würden die sozialen Medien diese Kulturtechnik sehr stark reduzieren. Das Unterfangen eines österreichischen Lesetages ist sehr löblich und toll. Interessant ist jedoch der Gedanke, dass es – für eine an und für sich selbstverständliche Sache – einen eigenen Event braucht.

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