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Vom Sinn und Unsinn der Welt

Dietmar Koschier ist nach eigener Auskunft ein Fan von Epikur. Eigentlich wollte er einen Vortrag zum Philosophen des “Carpe Diem” halten. Allerdings ist Dietmar Koschier auch literarisch tätig und so kam es wie es kamen muss: Der Autor holte sich Martin Rauhofer als ganz besonderen Sidekick und las eigene Texte – und man kann sagen: Koschier ist ein durchaus philosophischer Kopf mit einer metaphysischen Schlagseite. Zumindest am gestrigen Abend.

Dietmar Koschier studierte Theologie in Linz, sowie Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Graz. Er beschäftigte sich also durchaus mit den großen Fragen der Zeit. Außerdem studierte er Literatur in Wien.

4 Leseblöcke mit Musik

Koschier nahm das Thema “Sinn” und “Unsinn” durchaus ernst. Zwei Ideen zogen sich ein wenig durch die Lesung: Konsumkritik und ein gewisser theistischer Ansatz. Der erste Text, den Koschier vortrug, war der Output eines spannenden Experiments. An einem 22. Dezember ging der Autor, mit einem Mikrophon ausgestattet, über die wohl bekannteste Einkaufsstraße Wiens, die Mariahilfer Straße. Das Aufnahmegerät schnappte zahlreiche Gesprächsfetzen auf, die der Autor dann zu einem experimentellen Gedicht verarbeitete. Interessant ist, dass man zwar zahlreiche Interaktionen “hören” konnte, das Wort Weihnachten jedoch nur ein einziges Mal fiel…

Murphys Law, Jakobsweg und eine Art Evangelium

In den weiteren Leseblöcken wurde es dann durchaus philosophisch und durchwegs metaphysisch. Vordergründig setzte Koschier auf “theistische” Themen. Hintergründig ging es um ein metaphysisches Prinzip, das nun einmal in unseren Grenzen “Gott” genannt wird.

Zunächst bearbeitete Koschier die Fragen und Antworten des Lebens mit Murphys Gesetzen österreichischen Zuschnitts. Es folgten zwei Kurzgeschichten. In der ersten wurde der Ich-Erzähler vom Jakobsweg durch einen “Traum” oder eine “Vision” nach Hamburg gelockt, wo er auf eine unterstandslose Person traf. Der Obdachlose, eine abolut verwahrloste Gestalt, gab dem Ich-Erzähler einen wunderbaren Satz mit: “Wir können niemals tiefer fallen als in Gottes Hände”.

Die zweite Geschichte lautete auf den schönen Titel: ” Der Tag als Christus verließ” und könnte als ein modernes Gleichnis gelten. Der Autor schloss die Lesung mit einem metaphysischen Witz von Aleister Crowley.

Musikalischer Rahmen mit eigenen Songs

Martin Rauhofer rahmte – wie gewohnt- sehr gekonnt die kurzen Texte von Dietmar Koschier. Man merkte, dass Koschier und Rauhofer ein eingespieltes Team sind. Die teilweisen launigen Übergänge zwischen Lesung und Musik hatten einen hohen Unterhaltungswert und sorgten auch für einen hohen Interaktionsgrad mit dem Publikum. Rauhofer spielte weitgehend stimmungsvolle Eigenkompositionen und bewies zum wiederholten Mal, dass man mit einer Gitarre durchaus mehrere Instrumente ersetzen kann.

Dietmar Koschier / Martin Rauhofer

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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