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Lemberg 1886, Zahnarztträume und eine bekannte Geschichte

Seit einigen Jahren liest Peter Campa regelmäßig aus seinen Kurzgeschichten rund um Friedrich Kudrna, Franz Josef Heißenbüttel und den Hund Farkas. Die Zuhörer*innen und Fans erleben dabei, wie die Figuren in Campas Universum altern und sich weiter entwickeln. So ist Friedrich Kudrna mittlerweile leicht dement und lebt in einer Pflegeeinrichtung. Literarisches Personal kommt und geht – und somit werden Campas Kurzgeschichten zu einer Art Schaubühne alter und weißer Wiener Männer.

Tagebuch der Urgroßmutter

Bei einem Umzug im Jahr 2001 tauchte das Tagebuch von Peter Campas Urgroßmutter aus dem Jahre 1886 aus Lemberg auf. Im Zentrum des Büchleins stehen die Schwärmereien einer jungen Frau für einen Offizier namens “Vessely”. Spannend sind die Backfischschwärmereien der Autorin und die Ausführungen rund um das deutschsprachige Vereinszentrum “Frohsinn” (der Geselligkeitsverein wurde tatsächlich 1869 in Lemberg gegründet) allemal. Sie geben Einblick in das Leben der guten bürgerlichen Gesellschaft Lembergs. Die Eintragungen beginnen im November 1886 und enden kurz nach Neujahr 1887. Als geneigte Zuhörer*innen dürfen wir darauf hoffen, dass Peter Campa die Tagebucheintragungen noch ein wenig ausbaut. Sie hätten Potenzial für einen schönen historischen Roman aus dem Kaiserzeit.

Eine Reprise

Eine Reprise gab es auch. Peter Campa las die überarbeitete Geschichte zu den Arbeitslosen des Marienthals erneut. Dabei beschrieb er nicht nur das Marienthal, wie es heute vorzufinden ist, sondern verband den Besuch auch mit historischen Einzelheiten.

Reise nach Gramatneusiedl

Weiter ging die Reise nach Gramatneusiedl, wo – so eine der Figuren von Campa – die geistigen Hausmeister Österreichs wohnten, was zugegebenerweise eine böswillige Unterstellung ist, die der Autor dann selbst durch die Figur des Franz-Josef Heißenbüttel widerlegen ließ. Im Zentrum der Ausführungen stand das historische Inventar von Gramatneusiedl im Allgemeinen und das Denkmal für Hermann Todesco im Besonderen.

Allerlei Träumereien

Am Besten ist Peter Campa, wenn er seine skurrilen Träume berichtet – und / oder die Diagnose eines Zahnarztes hinterfragt. Wir kennen das vermutlich alle: Wir rechnen mit einer Plombe und bekommen eine Wurzelbehandlung oder die Diagnose, dass “der Zahn nicht mehr zu retten” sei. Campa zieht in seiner Geschichte alle Register: Von der Zweitmeinung, über die Eigendiagnose “Zahnfleischentzündung” bis zur kompletten Negierung. Von den Schmerzmitteln, die man dann doch nicht nimmt, weil man auf sein Feierabendbier nicht verzichten will bis hin zur Selbstmedikation. Es ist gerade die Schilderung von uns allen bekannten Alltagssituationen, die der Autor mit der notwendigen Portion Ironie ein wenig auf die Spitze treibt und die uns die besonderen Momente in Campas Literatur bescheren.

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