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„Stößt man auf Vergangenes, verändern sich die Dinge…“

Peter Miniböck und Kurt Raubal bestritten eine memorable Lesung

Was lange währt, wird oft sehr gut. Peter Miniböck und Kurt Raubal planten eine erste gemeinsame Lesung bereits im Jänner 2016. Sie wollten ihren gemeinsamen ersten Auftritt einem der herausfordernsten Themen unserer Zeit widmen. Mit Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart näherten sich beide einem Themenkomplex, der so eng mit der Menschheit verbunden ist, dass man eigentlich keine Worte mehr darüber verlieren müsste. Mit den unterschiedlichen Mitteln der Literatur und der Reportatge umkreisten sie ein menschliches, allzu menschliches Thema:  die nackte Existenz, die oft genug durch den Menschen selbst bedroht wird und die daraus resultierende Notwendigkeit zur Flucht.

Dokumentarische Dichtung

Literarisch und textlich verdichteten sie mit dem Procedere der „dokumentarischen Dichtung“ unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen. Briefe aus und nach Wien in der unmittelbaren Nachkriegszeit lösten sich ab mit der Reportage einer Flucht über das Mittelmeer. Während Miniböck ausgewählte Passagen aus seinem Werk  „Iwan oder die Stadt heißt immer noch Wien“ las, wählte Raubal Reportagen zum Thema Flucht. Dadurch prallten nicht nur unterschiedliche Zeiträume und Schauplätze aufeinander, sondern auch divergente sprachliche Stile und Ausdrucksweisen.

Peter Miniböck und Kurt Raubal bauten so, vor dem sehr gut gefüllten read!!ing room, in einem literarischen Wechselspiel, eine Art Damm gegen die aktuellen Flut an Verlautbarungen, Meinungen und Aussendungen, die von Routen, Zäunen und Festungen sprechen. Das Mittel der Montage aktualisierte eine Vergangenheit, die unsere Eltern und Großeltern selbst betraf. Das Ergebnis zeigte, was im aktuellen Verlautbarungsapparat aus Schlagwörtern verloren geht: Die Dichotomie zwischen „Einheimischen“ und „Fremden“ ist und bleibt eine Chimäre.

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