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Manfred Loydolt: Ein Kessel Buntes

Manfred Loydolt kann bereits auf eine lange Bühnentätigkeit als Musiker, Schauspieler und Regisseur zurück blicken. Darüber hinaus arbeitet er als Übersetzer von Theaterstücken ins Deutsche, verfasst eigene Stücke (“Es ist nicht leicht ein Kind zu sein”) und Texte. Am 11. November gab er Einblick in seine aktuelle Textwelt.

Ein buntes Potpourri

Am Anfang der Lesung war das Wort – pardon – das Interview. Der Kunstgriff von Manfred Loydolt ein fiktives Interview zwischen einem nicht näher genannten Journalisten und einer Kunstfigur Manfred Loydolt an den Beginn der Lesung zu setzen, war eine durchaus gute Idee. So konnte der Autor, Regisseur und Schauspieler das Publikum schnell an Bord holen.

Es folgten ernsthafte (Sinn)Gedichte, die zwischen Dialekt, Sinnsprüchen hin- und herpendelten und den aktuellen Krisen Rechnung trugen.

Zwei “Grabreden”

Der wohl stärkste Text des Abends, den Manfred Loydolt vortrug, war eine Art Nachruf auf Rolf Schwendter. Rolf Schwendter war eine wichtige Figur des alternativen Kulturlebens in Wien und in Kassel. Der dreifachpromovierte Professor für Devianzforschung war in Wien vor allem ob seiner Mitwirkung beim ersten Wiener Lesetheater, seines unangepassten Auftretens und seiner Weigerung zu telefonieren bekannt.

Die zweite “Grabrede” war einem Theaterstück entnommen. Loydolt entwickelte mit Kindern ein Episodentheater und las die vierte Episode namens “Pipsi”. Ein sechsjähriges Mädchen begrub ihren Hamster Pipsi. Die “Grabrede” wurde zu einem Vehikel für die Lebensumstände des fiktiven Mädchens, das obwohl erst sechs Jahre alt, doch so einiges bereits erleben musste. Loydolt legte dem Mädchen den Satz “Lieber Gott lass mich nicht groß werden” in den Mund und verdichtete so eine grundsätzliche Kritik an den sogenannten Erwachsenen.

Die Kunst der szenischen Lesung

Manfred Loydolt führte als Ein-Personen-Theater durch einen gut durchkomponierten Abend. Die Übergänge zwischen den sehr unterschiedlichen Textformen, Inhalten und Genres hatten eine gewisse Leichtigkeit. Der Autor gab Hintergrundinfos, Einblicke in den Schreibprozess und konnte so die Aufmerksamkeit des Publikums an sich binden. Der Grund war einfach: Der Einblick in den Schreibprozess war mindestens genauso interessant, wie die in unterschiedlichen Stimmen vorgetragenen Texte.

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