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Eine Bobo-Geburtstagsfeier und ein stürmischer Kulturgenuss

Jung Wien read!!ing roomMax Haberich und Günter Schütt von Jung Wien 14 präsentierten neue Texte

Wenn „Jung Wien 14“ im read!!ing room eine Lesung veranstaltet, kann man sich sicher sein, dass man einen tiefen Einblick in die Arbeit von jungen Autor*innen aus Österreich bekommt. Man kann auch sicher sein, dass unterschiedlichste Genres, Themen und auch Befindungen (Befindlichkeiten wird leider nur mehr negativ konnotiert) präsentiert werden. Rein taxonomisch betrachtet waren es am vergangenen Montag (12. November) mehrere Kurzgeschichten, zwei Auszüge aus einem Roman und ein Reisebericht mit einem Tupferl voll kulturanthropologischen Betrachtungen, die Max Haberich und Günter Schutt dem read!!ing room-Publikum kredenzten.

Her mit dem guten Leben

Günter Schütt zeichnete in der ersten Kurzgeschichte des Abends eine junge Frau, die beschloss nur mehr Gutes zu tun. Und zwar so richtig. Endlich das richtige Leben leben. Nicht mehr das falsche. Auch nicht diesen faulen Kompromiss des Feierabend-Weltverbesserers oder des Marschs durch die Institutionen. Schütts Hauptfigur ist radikal gegen den Strich gebürstet. Sie lebt das vermeintlich richtige Leben und kündigt den falschen Job. Soviel Enthusiasmus kann – muss aber nicht – auf jeden ansteckend wirken. Die Geschichte ist im Jetzt angesiedelt und wird von dem dreifachen Bundespräsidentenwahlgang und dem Systemwechsel auf FPÖVP gerahmt. Die Handlung kulminiert in der Geburtstagsfeier des Kindes der „Heldin“.

Auch Schütts Romanentwurf ist mit ganz lieben Grüßen aus Bobodorf gewürzt. Ein hochambitionierter Philosoph, der aufgrund gewisser Lebens- und Beziehungsentscheidungen dann zum wenig erfüllten Lehrer und  „homestaying Dad“ wird, ist die Kernfigur seines Romans. Schütt thematisiert die wechselnden Rollenbilder ganz auf der Folie der „gender troubles.“

Lissabon, Mörbisch und Weihnachtsfeier

Max Habericch nahm das Publikum mit auf eine Reise. Diese führte per Flug in die USA und zurück – mit einem  Zwischenstop in Lissabon, wo der Ich-Erzähler sich zu kulturanthropologischen Betrachtungen in aller Herrgottsfrüh am Lissabonner Flughafen hinreißen ließ. Das Zeitfenster der extensiven Feldforschung betrug genau zwei Stunden, eben just jene Zeit, die der Ich-Erzähler am Flughafen zubrachte um von Flugzeug A ins Flugzeug B umzusteigen. Die zweite Reise führte ins wilde Burgenland – just zur berühmt-berüchtigten Seebühne in Mörbisch und berichtete von einer stürmischen Aufführung der realen Art. Zum guten Schluss präsentierte Haberich „die liebe Familie“ zu Weihnachten und sorgte mit dieser Erzählung für den komödiantischen Höhepunkt des Abends.

Weihnachtliches

Familiäre Weihnachten sind ein gern bearbeitetes literarisches Thema, weil sie doch meist Familiengeschichten im Zeitraffer sind. Haberich präsentierte bei allen Streitereien und Trinkgelagen einen versöhnlichen Schluss. Das Besinnliche am Weihnachtsabend bestand darin, unter Ausschluss der familiären Öffentlichkeit, ohne Schlüssel, vollkommen ausgesperrt aus dem großelterlichen Domizil allein im Schneefall spazieren zu gehen…

Und das nächste Weihnachten kommt bestimmt.

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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