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Hülsenfrüchte in jeder Tonart: Kovanda und Thaller ließen es knallen und knallern

collage Andi_Nici

„Hülsenfrüchte und Knallschoten“ ist nicht das leichteste Motto für eine Lesereihe im Sommer. Auch wenn ein derartig alltägliches Thema gut zum read!!ing room passt, so bekamen wir hie und da das Feedback, dass Hülsenfrüchte eine wahre literarische Herausforderung sind. Nicole Kovanda und Andreas Thaller nahmen die Herausforderung über Leguminosen zu schreiben an und lieferten mit Bravour ab.

Sie schmuggelten – durch die Dopplung des Buchstabens „T“ –  neben den Schoten auch die Schotten ins Feld.  Mit diesem Kunstgriff erweiterten sie das thematische Feld ein wenig und blieben bei der Vorgabe.

Kovanda und Thaller setzten auf literarische Diversität um ein knapp einstündiges Programm voller Bohnen, Fisolen, Käferbohnen, Erdnüssen und Schoten zu gestalten. Die oft geschmähte Erbsenpaste kam in einer veganen Zukunftsvision sogar zu literarischen Ehren; eine Zukunft in der das Bier nur mehr aus bestem Wiener Hochquellwasser besteht, dafür getrost auf das Ausweisen von Allergenen verzichtet werden kann.

Das inoffizielle Thema der Lesung waren jedoch die Knallbonbons. Sie gaben die Struktur vor. Denn es war wahrlich eine Salve an Einfällen, die Kovanda und Thaller in ihrer ersten gemeinsamen Lesung im read!!ing room abfeuerten. Noch nie wurden in unserem Souterrain derartig viele literarische Genres in einer einzigen Lesung zum Besten gegeben: Kurzgeschichte, Fabel, Märchen, Haiku, Limerick, Lyrisches, ein Dramolett, Sinnsprüche, Heldenepos der satirschen Art etc. Ein Beispiel gefällig: Nicole Kovanda formulierte wohlfeine Limericks und Andreas Thaller gab die passende Haikuversion als nicht ganz ernst gemeinte Paraphrase. Für alle, die jetzt kopfschüttelnd nur „Bohne“ oder „Erdnüsse“ verstehen, hier ein konkretes Beispiel.

„War einst ein Mädchen aus Inverness
die hatte gewaltig Beziehungsstress,
sie kaufte ein Boot,
in ihrer Not,
jetzt segelt sie flott über den Loch Ness.“

„Das Mädchen im Boot,
Einsam auf das Meer schauen,
Sich selbst erneuern.“

Ein solches literarisches Pingpong zog sich durch die gesamte Lesung. Die Veranstaltung wurde ihrem Titel „Erbsen, Schot(t)en und Knallbonbons“ mehr als gerecht. Abgesehen von den unterschiedlichsten Verpackungen und Genres, gab es ein Feuerwerk an kleinen und  großen Satiren; Schenkelklopfer („zwei Kühe, die sich furzend über die Erderwärmung unterhalten“), wechselten mit Geschichten, die zum Schmunzeln anregten: Don Quichote wurde in einem Heldenepos zu „Don, die Schote“ und beim „Märchen-Protokoll“ war man leicht versucht an den Animationsfilm „Shrek“ oder andere Märchenparodien zu denken. Kovanda und Thaller präsentierten ein Füllhorn an Einfällen und Pointen – selbst die guten alten Bauernregeln wurden neu gestaltetet und Christoph Columbus‘ Überlebensstrategie mit Papierbärten im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe gerückt.

„Erbsen, Schot(t)en und Knallbonbons“ bot mehr als eine Lesung. Es war eine Show, die bis ins kleinste Detail vorbereitet worden war, mit einfachen und tollen Requisiten effektvoll inszeniert wurde und ein herausragendes Beispiel für unbändige Kreativität und Lust am literarischen Fabulieren darstellt.  Um es mit Hans Rosenthal zu sagen: „Das war spitze“.

Veröffentlicht in read!!ing room Organisatorisch

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