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Girl Power: 109 Jahre Frauentag – Home Office Edition

Es sind besondere Tage. Gestern gab die Regierung bekannt, dass die Ausgangssperre bis zum Ostermontag aufrecht bleiben würde. Viele Kultur- und Kunstschaffende haben sich schon an die Situation angepasst und verlegen das Kulturleben ins Internet.

Der read!!ing room im Home Office-Modus

Auch der read!!ing room macht mit. Wir verlegten daher den für den 20. März 2020 im read!!ing room geplanten Vortrag „Girl Power – 109 Jahre Frauentag – Sie waren die ersten“ in unser Wohnzimmer.

Herausgekommen ist ein 22-minütiges amateurhaftes Video (amateurhaft im Sinne von „nicht professionell“, aber auch im Sinne von „von Liebhabern gemacht“) in dem wir ein wenig auf die Leistungen von vier besonderen Frauen eingehen, die jede für sich eine Pionierin auf ihrem Gebiet war.

4 Frauen und eine Mission

  • Marianne Hainisch (1839-1936): Begründerin der Frauenbewegung, (Mit)begründerin zahlreicher Organisationen, Initiatorin des Muttertags und der österreichischen Frauenpartei

  • Rosa Mayreder (1858-1938): eine der ersten österreichischen Theoretikerinnen der Frauenbewegung. Begründung einer feministischen Soziologie/Philosophie.

  • Elise Richter (1865-1943): Erste Dozentin an der Universität Wien, Gründerin des akademischen Frauenverbandes, erste a.o. Universitätsprofessorin an der Universität Wien

  • Adelheid Popp (1869-1939): Erste Berufspolitikerin in Österreich, Mitglied der SPÖ, erste Frau, die im österreichischen Parlament als Abgeordnete (Nationalrat) eine Rede hielt

Adelheid Popp, Elise Richter, Rosa Mayreder, Marianne Hainisch, politische Verortung

Keine Selbstverständlichkeit als Feministinnen

Im Vortrag versuchten wir zu zeigen, dass alle vier Frauen, den Feminismus nicht als Selbstverständlichkeit sahen. Einige von Ihnen wehrten sich sogar regelrecht gegen die Begriffe Emanzipation und Frauenrechtlerin. Allerdings sind diese Aussagen anders zu verstehen als etwa die Ausführungen unserer derzeitigen Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP), die ja meinte, dass der Feminismus mehr trenne als verbinde (Österreich, 07. März 2020). Hainisch, Richter uvm. mussten damals erst einmal jene Pfade begehen, die heute recht gut ausgetreten sind. Oder anders formuliert: Sie waren die Wegbereiterinnen und Gründerinnen der ersten Frauenbewegung; viele theoretische und praktische Ansätze mussten erst von ihnen verhandelt werden. Sie konnten noch kein Frauengeschichtsbuch von hinten lesen, wie dies heute möglich ist.

Vor allem Marianne Hainisch, Elise Richter und Adelheid Popp waren Frauen der Tat. Ebenso Rosa Mayreder, die bevor sie sich der Philosophie und der Literatur verschrieb, tatkräftig im Allgemeinen Österreichischen Frauenverein arbeitete und die Kunstschule für Mädchen gründete. Erst später sollten sich die Wege der Frauen differenzieren und unterschiedlich ausformen.

Vor allem Adelheid Popp und Elise Richter betonen, dass es Ihnen bisweilen sehr schwer fiel, jeweils „die Erste“ oder „die Ausnahme“ zu sein. Ich bin mir sicher, dass auch Rosa Mayreder und Marianne Hainisch – zumindest in stillen Momenten – ähnliche Gedanken hegten. Auch wenn die vier Frauen im Detail unterschiedliche frauen- und parteipolitische Positionen vertraten, überwog das Gemeinsame.

Ist die Beschäftigung mit historischen Frauen in Zeiten von COVID-19 wichtig?

Ja! Und zwar im doppelten Sinne. Einerseits ist es eine schöne Ablenkung von den Einschränkungen, die wir derzeit erleben. Andererseits sind es gerade die Frauen, die im Moment überproportional in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu eine kleine Grafik.Jobberie / read!!ing room / Frauen in systemrelevanten Berufen in Österreich

Zur Erläuterung: Die Zahlen bilden den Februar 2020 ab. Sie sind also ziemlich aktuell. Allerdings hat das Eintreten der Ausgangsbeschränkungen und die damit verbundenen Schließungen mit Sicherheit zu einer Verschiebung geführt. Es ist jedoch auch ein offenes Geheimnis, dass Branchen in denen überdurchschnittlich viele Frauen arbeiten, niedrigere Durchschnittsgehälter und schlechter bezahlte Kollektivverträge haben als dies in den typischen „Männerbranchen“ der Fall ist. Man vergleiche einfach einmal den Metall-KV mit jenem des Handels. Vielleicht ist die Krise auch in diesem Punkt eine Chance Leistung und Gehälter neu zu bewerten.

In diesem Sinne: Bleibt’s xund und uns gewogen. Wir melden uns sicher wieder. Und nun viel Spaß mit unserem Vortrag. Wir freuen uns auf Feedback, Kommentare, Anregungen und Beschwerden.

 

 

 

Veröffentlicht in COVID 19 Veranstaltungen

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