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Generationenkonflikt, einige Redewendungen und ein abgeschnittenes Ohr

Der vierte Abend unseres Mikrokosmos-Festivals funktionierte nach dem KISS-Prinzip: Keep it short and sophisticated

Mutterland

Eva Flehschurz las ihr Stück „Mutterland“ zusammen mit ihrem Mann in verteilten Rollen. Sie hatte ihren Text als reinen Dialog zwischen einer spätpubertierenden Enkeltochter und ihrem äußerst konservativen Großvater aufgebaut; ein klassischer Generationenkonflikt mit sehr unterschiedlichen Werten, die sich auch in der Sprache manifestierten.

Flehschurz, selbst ausgebildete Schreibpädagogin, legte großen Wert auf die sprachliche Ausgestaltung der Figuren. Sie versuchte ihre Figuren alleine durch ihre Sprache wirken zu lassen. Regieanweisungen oder eine textliche Verortung fehlten ganz. Sie zeigte, dass auch Familienstreitigkeiten und Diskussionen – und seien sie vordergründig noch so privat – meist eine gesellschaftspolitische Relevanz haben.

Mikrokosmos Tag 4 read!!ing room Flehschurz Fleischmann Saml

Ältere Personen als Protagonisten

Doris Fleischmann hatte richtige Miniaturen in ihrem Programm. Erzählerisch fein gerahmt, ging sie  von fünf Redewendungen aus und präsentierte Alltagssituationen in der Straßenbahn, im Restaurant oder an sonstigen Orten. Die jeweils titelgebende Redewendung wurde durch kleine in sich abgeschlossene Geschichten und Dialoge aufbereitet. Interessanterweise hatte Doris Fleischmann vorwiegend ältere Damen als zentrale Figuren ihrer Mikrodramen ausgewählt – und verfestigte somit das unausgesprochene Leitmotiv des Abends.

Gott schaut zu

Interessanterweise schloss sich Ralph Saml nahtlos an dieses Leitmotiv an. In seinem Stück „Handtasche“ erzählte eine ältere Dame einem jungen Mann, dass sie ihrem Gatten ein Ohr abgeschnitten hatte, damit dieser ihr zuhören müsse… Ähnlich skurril ging es weiter. In „Freeze“ dachte der Protagonist  über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes nach. Sein Weltbild: Gott sitzt vor einem Fernseher und schaut sich einen Film an, in dem alle Menschen Schauspieler sind. Das Beängstigende an dieser Vorstellung: Gott könnte einfach den Film stoppen und auf die Pausetaste drücken.

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