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Das Mikrokosmos-Finale: Tag der Duette

Der 5. Abend des Mikrokosmos-Festivals stand ganz im Zeichen der Leseduette und des Gemeindebaus, sowie einer nicht näher zu definierenden Projektbeschreibung. Auch der letzte Abend des Festivals stand den vorhergehenden in nichts nach und folgte einer eigenen Dramaturgie.

Kovanda, Thaller, Dickie, Ach, Reiser,Unteregger

Menschen im Gemeindebau

Kenner*innen der Lesungen von Nicole Kovanda und Andreas Thaller wissen, dass sie sich auf einiges gefasst machen können, was Ausstattung und Inszenierung betrifft. Von der Verkleidung über eigens für die Lesung hergestellte „Anzeigetafeln“ bis hin zum Text schneidern die beiden alles auf den einen Auftritt zu. Der Dialog eines älteren Paares im Gemeindebau ließ darüber hinaus kein Klischee aus und bei den Zuschauer*innen kein Auge trocken. Thaller und Kovanda legten es in ihren Rollen (er spielte die Frau, sie den Mann) geradezu darauf an, möglichst viele Klischees einer liebevollen Hassehe am Rande der Gleichgültigkeit zu bearbeiten. Die Erwähnung des Kaisermühlenblues und die mehr als klassische Rollenverteilung durften da nicht fehlen (Patschen, Bier, Fernseher, Haustratsch, Geld…). Der gekonnte Kunstgriff bestand in einer Zweiteilung der Dialoge in das Gesagte und das Gedachte. Die eigens angefertigten Täfelchen markierten jeweils das gedachte. Durch die Kombination beider Ebenen entstand eine unglaubliche Komik.

Satire pur

Gabriela Dickie und Burghard Unteregger schlüpften in die Rollen von Olga, der Hausmeisterin mit polnischen Wurzeln und entsprechendem Akzent und des Mieters Herrn Navratil von der Stiege 40. Sie lasen kurze satirische Dialoge zwischen Hausmeisterin und Mieter. Dies war der Rahmen für tagesaktuelle Satire. Da durfte der türkische Nachbar nicht fehlen, der auf Ibiza urlaubte und dort die Waschküche des Gemeindebaus verscherbeln wollte um einen Hamam einzurichten. Da ging es um Unkrautvernichter und geschlechtsneutrale isländische Namensbezeichnungen sowie die zahlreichen Verbote, die im Gemeindebau  per App an die Bewohner*innen der Anlage weiter gegeben werden… Das Happy End mit einem Blind Date bei den Mistkübeln des Gemeindehofes war dann die vollendete Pointe.

Projektbesprechung im read!!ing room

Manfred Ach und Stefan Reiser bestritten den zweiten Teil des Abends. Kernstück der Lesung war eine Projektbesprechung mit ungewissen Ausgang. Stefan Reiser hatte den Text eigens auf den read!!ing room zugeschnitten. Das Lokalkolorit sorgte für zusätzliche Lacher beim Publikum. Ein Hauch von Gerhard Polt oder Karl Valentin lag in der Luft, was nicht nur am bayriaschen Akzent von Manfred Ach, sondern auch am Text lag. Manfred Ach und Stefan Reiser schlossen den Abend und besorgten das Finale mit einer Reihe an Kürzestdialogen, die Wortspiele und Redewendungen zum Thema hatten.

Danke

Diese wirklichen Kleinstformen, die zumeist aus Satz, Replik und Gegenreplik bestanden, bildeten den formvollendeten Schluss der zweiten Ausgabe des Mikrokosmos-Festivals, das an fünf Abenden 20 Autor*innen und Lesende präsentierte. Ein herzliches Danke an alle, die mitmachten und das Festival ermöglichten.

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