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1. Mai: Ein sehr spezieller Tag für den read!!ing room

Unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes und mit Maskenpflicht wurde die erste offizielle read!!ing room-Aktivität seit den Ausgangsbeschränkungen mit Publikumsbeteiligung gesetzt. Möglich war dies aufgrund der Erleichterung bei den Ausgangsbeschränkungen und dem Erlass bis zu 10 Leute im öffentlichen Raum zu treffen.

Vorbereitung ist alles

Da der read!!ing room sich ja selbst der Alltagskultur verpflichtet hat, lag eine kult.tour zum Thema „Erster Mai“ – „Tag der Arbeit“ auf der Hand. Schließlich „feierte“ man den 130. Jahrestag dieser ehrwürdigen Veranstaltung. Der 1. Mai ist darüber hinaus seit 1919 ein Staatsfeiertag und einer der wenigen nicht katholisch begründeten Feiertage (neben dem Nationalfeiertag) im österreichischen Jahreskalender.

Tour mit alten Bekannten

Auf unserer Tour „begegneten“ wir alten Bekannten. Aber auch neue Elemente wurden eingebaut. So war die Rede von Jakob Reumann, immerhin ein Sohn des Bezirks, der nicht nur die „Taubenschule“ in der Kettenbrückengasse besucht hatte und der erste sozialdemokratische Bürgermeister der Stadt wurde – nein: Er war auch einer der Hauptorganisatoren der allerersten Maifeier am 01. Mai 1890.

Ironie der Geschichte: Die Thematik „Demonstrations- und Versammlungsverbot“ etc. standen damals – wenn auch aus ganz anderen Gründen – ebenso auf der politischen Tagesordnung wie heute.

Adelheid Popp konnte ihre erste Maifeier 1890 nur in der Fabrik begehen, wenn auch im Sonntagskleid.

Auch der 1. Mai 1981 war Thema. Damals wurde der SPÖ-Stadtrat Heinz Nittel ermordet. Es handelte sich um einen terroristischen Anschlag seitens der Abu-Nidal-Gruppe. Da Heinz Nittel am 01. Mai beim Verlassen seines Hauses in Hietzing ermordet wurde, wurde dieser erste Mai seitens der SPÖ kurzfristig abgesagt.

Gabi liest eine Passage aus „Kleine Leute“ von Ernst Hinterbeger, der ja zum guten Teil in der Anzengrubergasse spielt

Auch Margarete Schütte-Lihotzky feierte in ihrem Leben sehr oft den „Ersten Mai“. Die überzeugte Kommunistin, die fast 103 Jahre alt wurde, musste 1942 ihren „Tag der Arbeit“ allerdings in Haft verbringen. Sie war aufgrund ihrer Widerstandstätigkeit gegen die Nazis in der Schiffamtsstraße inhaftiert und feierte mit 20 anderen Kommunist*innen über die Verrohrung der Toiletten den „Tag der Arbeit“. Damals war sie der Meinung, dass es wohl einer ihrer letzten Maifeiern werden sollte.

Unser Spaziergang begann beim read!!ing room und endete Ecke Kettenbrückengasse / Margaretenstraße, wo einst die bereits erwähnte „Taubenschule stand“. Ebenso wie Jakob Reumann war auch Karl Lueger Schüler dieser Anstalt. Da durfte natürlich ein Hinweis auf Karl Luegers „Lumpenrede“ aus dem Jahre 1904 nicht fehlen.

2-Meter-Abstand für Kunst und Kultur

Um 17.30 Uhr fand die 2 Meter Abstandsdemo für Kunst- und Kultur am Heldenplatz statt. Die Demo war durchaus gut besucht (wenn man sich die Umstände vor Augen hält, dass bis Mitte der Woche noch nicht klar war, ob die Demo überhaupt erlaubt werden würde), viele (leider nicht alle) hielten sich an die Masken- und Abstandspflicht. Mehrmals musste die Moderatorin auf den Abstand hinweisen. Inhaltlich war die Demo ein Versuch das Bewusstsein für die prekären Arbeitsverhältnisse der Künstler*innen, abseits der Kulturtanks, zu wecken.

Die Redner*innenbeiträge von Susanne Scholl, Ruth Brauer und vielen anderen waren breit gestreut – allen gemein war die Kritik an der (Nicht)performance von Kulturstaatssekretärin Lunacek. Von allgemeinen gesellschaftspolitischen Forderungen wie einer Grundsicherung bis hin zu sehr konkreten Anliegen („Wie geht es weiter? Was sind die Rahmenbedingungen?“) waren die Anliegen sehr unterschiedlich.

Die Demo wurde überpünktlich beendet. Ob die Anliegen umgesetzt werden, wird die Zeit weisen…

Demos mit Abstand sind eher ungewöhnlich, funktionieren aber (weitgehend)

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