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Austria … twelve points

Das Wettsingen rund um den European Songcontest findet seit dem Jahr 1956 jährlich statt. Heuer war für den österreichischen Beitrag, Lum!x und Pia Maria mit “Halo”, bereits im ersten Halbfinale Schluss. Das liegt nicht unbedingt am Lied oder am Text… Es soll ja auch vorkommen, dass sehr “strange” Beiträge “den Schaß gewinnen”. (O-Ton: Andy Knoll)

Vom “K.u.k. Kalypso aus Wien” bis zu “Woki mit dem Popo”

Früher war alles besser. Diesen Satz können wir definitiv nach der Lesung einiger ausgewählter Lyrics im read!!ing room nicht bestätigen. 1959 trat Ferry Graf mit “Der K.u.k. Kalypso aus Wien” an. Der ORF nennt es in seiner Retrospektive einen “ungewöhnlichen Schlager”… Aber auch Deutschland brachte Perlen hervor, wie etwa: “Telefon, Telefon” mit Margot Hielscher aus dem Jahr 1957. Text und Lied könnten heute – mit ein wenig Nachhilfe aus dem Tonstudio – für eine trashige Werbung eines Mobiltelefonanbieters herhalten. Aber zurück zum Kalypso aus Wien. Aber lesen Sie selbst…

Kalypso aus Caracas?
Kalypso aus Rio? O nein!
Kalypso aus Mexiko?
Aus Wien muss er sein!

Das ist der K und K Kalypso aus Wien, der Kalypso aus Wien
Da spürt man hie und da auch Straußmelodien
Doch etwas Paprika liegt ebenfalls drin
Im K und K Kalypso aus Wien, im Kalypso aus Wien

Ferry Graf, ESC 1957

Venedig im Regen

Wir lieben ihn, wir zitieren ihn jedes Jahr aufs Neue. Thomas Forstner schaffte 1991 mit seiner Ballade “Venedig im Regen” den letzten Platz. An der Nummer ist eigentlich nichts auszusetzen, wäre da nicht etwa folgende Zeilen:

“Venedig im Regen
Bis ans Ende der Nacht einfach träumen
Dein Atem ganz leicht, an meiner Schulter vergraben”
Thomas Forstner, ESC 1991

Ja, der Atem, der AN der Schulter vergraben ist. Fällt wohl unter dichterische Freiheit. In der Schule hätte ich für eine derartige Création ein dickes, fettes, rotes “falscher Ausdruck” erhalten. Aber das ist noch nicht alles. Andere Künstler produzierten weitere Stilblüten. Alf Poier sang 2003, dass “Frau Holle die Wolle vom Dromedar” mag. Das ist auch ganz schön. Die Trackshittaz wollten Österreich und Europa nicht nur mit dem “Popo woken” lassen, sondern waren auch der Meinung, dass die Verlängerung des Gesäßes Gefühle habe und man auf den Popo hören soll. Leider war in der Vorrunde Schluss.

Fehlt noch Meister Raab aus Deutschland. Sein Text “Wadde hadde dudde da”… schoss mehr als einen Vogel ab. Abgesehen, dass der Text eine wundersame denglische Mischung bietet, ist das Teil richtig schwer zu “lesen”. Probieren Sie es einmal. Sie werden unter Garantie nicht fehlerfrei durchkommen. Das ist bereits 22 Jahre her.

Gewinnen mit DADA-Text

Absolut genial war die Ukraine im Jahr 2007. Andrij Mychajlowytsch Danylko, trat in der Figur der älteren Dame „Verka Serduchka“ auf (man könnte die Figur am ehesten mit Dame Edna vergleichen) und legte eine (unfreiwillige) Hommage an Hugo Ball und das Cabaret Voltaire auf die Bühne des ESC hin

Die Ukraine gewann damals den ESC. Der Text ist beeindruckend (schlicht) und auch ohne Übersetzung verständlich…

Hello everybody! My name is Verka Serduchka. Me English nicht verstehen! Let’s speak DANCE!
Sieben, Sieben, ai lyu lyu
Sieben, Sieben, ein, zwei
Sieben, Sieben, ai lyu lyu
ein, zwei, drei
Sieben, Sieben, ai lyu lyu
Sieben, Sieben, ein, zwei
Sieben, Sieben, ai lyu lyu
ein, zwei, drei
Tanzen!
ESC 2007

Die Lesung und die Präsentation der Texte machte auf jeden Fall einen Riesenspaß. Am Ende des Tages hat der deutsche Moderator Klaas Heufer-Umlauf doch recht. Es ist oft ganz egal wie der Text von Popsongs gestrickt ist. Ein gesungenes Shampoo-Etikett kann auch gut klingen. Zumindest liefert Lena (Gewinnerin Songcontest für Deutschland 2010) den Beweis, dass an dieser These durchaus etwas dran sein könnte.

Hinweis in eigener Sache

Am 20. Mai findet das erste Wohnzimmerkonzert 2022 im read!!ing room statt. Mehr Infos finden Sie hier

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