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Alles außer Mörder…

Beppo Beyerl präsentierte am 20. April 2022 seinen historischen Krimiroman “Mord im Lainzer Tiergarten”. Am 16. Dezember kehrte er in den read!!ing room zurück und hatte eine Reihe an bösen Buben im Gepäck.

Beyerl vertritt die Meinung, dass die sogenannten bösen Buben in Wien, also jene Verbrecher, die mit einem gewissen Charme und Esprit agierten, andere Menschen meist beraubten oder betrogen, spannendere Persönlichkeiten seien als – fast schon banale – Mörder. Daher verwundert es nicht, dass das Thema Mord im neuen Buch von Beyerl wenig Platz hat.

Die Einschätzung des Autors kommt ja nicht von ungefähr. Wien hat einen eigenen Typ des “Gentleman-Verbrechers” hervorgebracht hat – den guten alten Wiener Strizzi. Er ist mehr als ein bloßer Zuhälter. Die meisten Strizzis sind weder “Pülcher” (=Strolche) noch Hallodris. Der eine ist zu unkultiviert, dem anderen fehlt es an Verlässlichkeit. Etliche Strizzis strebten nach Höherem im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wollten anerkannte Größen der Wiener Galerie (=Unterwelt) – sogenannte – Galeristen werden. Diese erkannte man meist daran, dass sie einen “Bugl” oder einen “Buckl” (=Leibwächter) als Schatten hatten.

Alleine diese kleine Auswahl an ganz speziellen Ausdrücken der Wiener Gaunersprache, zeigt, dass die Wiener*innen ihren Verbrecher*innen eine gewisse – nennen wir es einmal – Wertschätzung entgegenbringen. Nicht umsonst verweist Beppo Beyerl im Untertitel des Buches auf diese in Wien durchaus bekannten Begriffe.

Beppo Beyerl
Die bösen Buben von Wien
Beppe Beyerl am 16. 12. 2022 im read!!ing room

Strizzis, Hallodris und andere Gestalten

Der Autor aus Meidling stellte im read!!ing room drei böse Buben vor. Er begann mit einer eigenwilligen Konstruktion, dem sogenannten Schachtürken oder Schachautomaten, der 1769 vom k. u. k-Hofbeamten  Wolfgang von Kempelen konstruiert und gebaut wurde. Kempelen erweckte den Eindruck, dass das von ihm gebaute Gerät selbständig Schach spielen könnte. Der Automat war eine Sensation, der sogar den kaiserlichen Hof beeindruckte. Das Gerücht geht um, dass ein menschlicher Schachspieler im inneren des Kastens versteckt war – Beppo Beyerl vermutet sogar, dass es sich um Kempelens Tochter handelte. Laut Wikipedia waren Kopien des Geräts bis ins Jahr 1929 als Attraktion im Umlauf.

Als zweiter “gewichtiger” Vertreter der Bösen-Buben-Zunft präsentierte Beyerl den Lotteriebetrüger Freiherr von Sothen, der mit dem erschlichenen Lotteriegeld die Sissi-Kapelle im XIX. Bezirk erbauen ließ, um so in den Adelsstand gehoben zu werden.

Last but not least: ein wahrer Held

Der Mann auf dem Buchcover zeigt jenen “Gauner”, der als wahrer Volksheld gefeiert wurde. Sein Grab ist bis heute auf dem Meidlinger Friedhof zu finden. “Schani” Breitwieser verkörperte das Ideal des gewitzten, technisch extrem visierten Verbrechers, der in “Robin-Hood-Manier” agierte und “aus Not” handelte.

Er war der gefeierte Verbrecherstar seiner Zeit. 1919 wurde er von Polizisten angeschossen. Er verstarb daraufhin an seinen Verletzungen. Wichtige zeitgenössische Autoren setzten ihm literarische Denkmäler in Form von Nachrufen. Egon Erwin Kisch schilderte eindrücklich die letzten Stunden des Johann Breitwieser und Alfred Polgar bezeichnete ihn als “tüchtigster, energischster und erfolgreichster Einbrecher.” Polgar bedient sogar die Superlative, wenn er schreibt: “Wir hatten keinen Besseren”. (aus: Ein Heldenleben).

Krimis sind en vogue. Nicht nur als fiktionale Figuren. Franz Schuh meinte einmal: “Reale Verbrecher produzieren die Literatur über das Verbrechen”. In diesem Sinne dient Beppo Beyerls “Die bösen Buben von Wien” als Grundlage für viele weitere literarische Geschichten.


Beppo Beyerl
Die bösen Buben von Wien
Gauner, Strizzis & Hallodris

Hardcover
13,5 x 21,5 cm; 240 Seiten
ISBN 978-3-222-13666-5
Styria Verlag

Thalia aus dem Jahre 2002 und Die bösen Buben von Wien aus dem Jahre 2022

Veröffentlicht in Allgemein

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