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Wider das Vergessen! – Vortrag zu Pogromen und Nationalsozialismus in Margareten

Willi Frank, Quelle: Alfred Klahr Gesellschaft
Willi Frank, Quelle: Alfred Klahr Gesellschaft

In der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge in der Siebenbrunnengasse zerstört. In der offiziellen Diktion richtete sich der Volkszorn gegen die Juden. Die Progromnacht war der Beginn für jenen tödlichen „Prozess“, der als Holocaust oder Shoa bekannt wurde. In einem Vortrag erinnerte der read!!ing room an die Geschehnisse von 1938. Neben der Zerstörung der Synagoge und des Bethauses in der Wiedner Hauptstraße 83, wurde auch auf jene Institutionen hingewiesen, die maßgeblich an der Vertreibung und Tötung von Andersdenkenden und Anderseienden beteiligt waren. Zu nennen sind  das Passamt in der Wehrgasse, wo jüdische und politische Aussiedler/innen schikaniert wurden oder das ehemalige Bezirksgericht, das maßgeblich an der Folter von politischen Gefangenen und an den Programmen der Zwangssterilisationen beteiligt war.

Außerdem wies Thierry Elsen in seinem Vortrag auf den Umstand hin, dass etliche „Nichtarier/innen“ nach dem sogenannten Anschluss aus ihren Gemeindewohnungen vertrieben und deportiert wurden. Dies war besonders in den Gemeindebauten am Wiener Gürtel der Fall. In Margareten betraf dies laut einer Studie von Exenberger aus dem Jahr 1994 immerhin um die 60 Personen, meist jüdischer Konfession.

Allerdings wurden auch die Aktivitäten diverser Widerstandskämpfer/innen beleuchtet: Stellvertretend sei nur Willi Frank genannt, der in der Roten Armee und im Freiwilligenbataillon gegen die Nazis kämpfte und 1945 in der Schlacht starb.

Der letzte Teil des Vortrags beleuchtete den Umgang mit Antisemitismus und Nationalsozialismus im Bezirk. Erwähnt wurde beispielweise die Brandmayergasse 27, wo 2002 ein Nazi-Fresko mit einem entsprechenden künstlerischen Kommentar versehen wurde sowie die Stauraczgasse, die mit einer kritisch kommentierenden Zusatztafel ausgestattet wurde – auf eine Umbenennung wurde explizit verzichtet.

Eine sehr lebhafte Diskussion schloss sich an den Vortrag an, die jeden Ruf nach einem Schlussstrich unter das Kapitel Nationalsozialismus widerlegte.

Veröffentlicht in read!!ing room Organisatorisch

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