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„Wer hat denn den zum Vorstand gewählt…“

Herbert Weiner und Gabriele Rökl während der Lesung + Publikumsansicht

Herbert Weiner und Gabriele Rökl präsentierten ungewöhnliche und skurrile Weihnachtsgeschichten

Herbert Weiner und Gabriele Rökl sind Freunde des skurrilen Humors. So wundert es niemanden im Publikum, dass eine Weihnachtslesung gleich einmal mit den ersten Takten von „Jesus Christ Superstar“ begann. Gabriele Rökl, die „grande dame“ des read!!ing room und Herbert Weiner, seit seinem memorablen Gurkenquiz  („Summa in da Stadt 2013“) fester Bestandteil des read!!ing room-Autorenumfelds, traten zum ersten Mal als gemischtes Doppel im Souterrain in der Anzengrubergasse auf und bewältigten die selbst gestellte Aufgabe mit Augenzwinkern, Witz und Humor.

Ein Hauch von Asterix – diesmal in Nazareth

HerbertWeiner präsentierte eine neuartige Weihnachtsgeschichte. Er nahm dafür die nicht immer ganz politisch korrekte Perspektive der drei Weisen aus dem Morgenland ein und sponn den Faden der Weihnachtsgeschichte weiter, so dass eine Kurzfassung eines neuen Evangeliums entstand. Herbert Weiner konzipierte mit einigen wenigen Absätzen und Kapiteln „Das Buch der drei Weisen“ – inhaltlich eine Mischung aus Asterix in Nazareth mit einem Hauch Terry Pratchett, einer fetten Prise Monty Python und mit einigen „Wuchteln“, die an die bestens bekannte Familie Sackbauer erinnern. Die Erlebnisse um Jesus fanden „zu ebener Erde“ statt, während im „ersten Stock“ Gott in der dreifaltigen Einheit aus Jahwe, Allah und Gott neben Mohammed, Jupiter, Zeus, Hermes, Bacchus, Thor, Loki,  und Shiva in einem fulminanten Götterhimmel den Vorsitz übernahm. Da konnte es schon einmal dauern bis alle Hände Shivas geküsst wurden. Jesus bekam den einen oder anderen Blitz als Tachtel ab und Zeus gab Anschauungsunterricht, in Sachen Beischlaf mit Sterblichen und Zeugung von Halbgöttern. Sein römisches Alter Ego Jupiter fragte sich nicht zuletzt, wer nun aus dem Götterkollektiv den Gott der Juden, Christen und Muslime wohl zum Vorsitzenden des himmlischen Götterverbandes gewählt habe.

Rasierte Rentierbeine und ein Weihnachtsmann in Heels

Gabriele Rökl konterte mit einer feministisch-konsumkritisch angehauchten Rentiergeschichte. Statt Rudi gab es eine Rudolfine. Überhaupt waren die Abteilungsleiterinnen am Nordpol mit weiblichen Rentieren besetzt. Also keine Spur von gläserner Eisdecke. Um das „doing gender“ abzuschließen, ließ die Autorin den guten, gemütlichen, dicken Santa Claus oder Weihnachtsmann als eine Art Frank N. Furter im Tim Curry-Style über die Abflugrampe des Nordpols schreiten. Getoppt wurde die Geschichte nur von den rasierten Rentierbeinen, die laut Abteilungsleiterin Donatella (ein Schelm wer Böses denkt) der absolut letzte Schrei seien.

Humorvolle Konsumkritik

In einer weiteren Geschichte wurde die weihnachtliche Bescherung im Hause Wiener zu einer Persiflage auf den alljährlichen Familienwahnsinn, der sich bei vielen Weihnachtsfesten abspielt.  Gabriele Rökl montierte bei jedem erwähnten Geschenk und jedem Gebrauchsgegenstand einen klassischen Versandhaustext mit Produktbeschreibung und  Preisangabe in die Erzählung. Es braucht wohl nicht gesondert erwähnt zu werden, dass das ständige Aufzählen von Polyester, Elastan und Baumwolle, sowie die zahlreich aufscheinenden Objekte in Metalloptik mit den entsprechenden Schnäppchenpreisen für einige Lacher im Publikum und gleichzeitig für eine elegante Konsumkritik sorgten.

Nach gut einer Stunde beendetet die Autoren ihr Programm. Herbert Weiner und Gabriele Rökls Texte waren unterhaltsam, skurril und pointiert. Mit einem letzten Schliff könnte das Duo für  kabarettistische Lesungen im besten Sinne sorgen. Wir freuen uns auf eine Fortsetzung – wer weiß vielleicht nehmen die beiden das Osterfest ins Visier.

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