Springe zum Inhalt →

Weihnachtsfrauen haben es schwer

Eva Jancak

Eva Jancak las Auszüge aus „Nika Weihnachtsfrau“ im read!!ing room

Germanistikstudenten (m/w), die über Thomas Bernhard eine Dissertation schreiben, haben es schwer. Im wahrsten Sinne des Wortes „prekär“ wird es besonders dann, wenn der Advent noch lang und die persönliche Weihnachtskassa knapp bemessen ist. Die Ausgangslage für „Nika Weihnachtsfrau“ könnte nicht typischer sein: Dissertantin in prekären Verhältnissen nimmt Aushilfsjob an, um „sich den Weihnachtsbraten leisten zu können.“ Mit Nika Weihnachtsfrau erfüllte sich Eva Jancak- laut eigenen Angaben –  den langgehegten Wunsch endlich einen Weihnachtsmannroman mit Schauplatz Mariahilfer Straße zu Wien zu schreiben.

Das Konstrukt des Romans ist naheliegend und doch ein interessantes Setting mit vielen Möglichkeiten. Die Kapitel teilen sich auf den Adventkalender auf. Eva Jancak präsentierte im read!!ing room den „1. Dezember“, der mehr oder weniger die Exposition beinhaltete und den „17. Dezember“ – passend zum Veranstaltungsdatum.

Ein erster Arbeitstag mit Hindernissen

Nika Horvath, alias Nika Weihnachtsfrau, sollte an ihrem ersten Arbeitstag einige Hindernisse überwinden müssen: Unelegant aus den süßen Sachertortenträumen samt männlicher Begleitung gerissen, war die Hauptfigur des Romans gleich an ihrem ersten Arbeitstag spät dran. Zu allem Überfluss verspätete sich die U-Bahn aufgrund einer Fahrgasterkrankung und ihr temporärer Chef stellte sich als Ungustl heraus, der es mit anzüglichen Bemerkungen und entsprechenden körperlichen Übergriffsversuchen nicht so genau nahm. Alles war angerichtet für eine persönliche Katastrophe samt Rauswurf – und was passierte… Nika Weihnachtsfrau kam zwei Minuten vor Arbeitsbeginn im Kaufhaus an, fasste einen Tadel aus und schnappte sich ihr Kostum.

Die Aufgabe von Frau Weihnachtsfrau wurde als ebenso einfach wie anstrengend beschrieben. Vor einem großen Kaufhaus auf der Mariahilfer Straße sollte die Hauptfigur Zuckerln, Schokolade und Flyer verteilen. Zwölf Stunden lang, mit einer Mittagspause. Ein Knochenjob, der natürlich Anlass für viele kleine episodenhafte Begegnungen ließ – eine dieser Episoden war die Begegnung mit Jessica Nikolic, der aufgeweckten, fast schon neunmalklugen Tochter einer Kaufhausangestellten, die aufgrund der Dienste ihrer Mutter ein Schlüsselkind war.

Mehr Handlung

Natürlich bedarf es einer weiter ausgebauten Handlung, da das Verteilen von Zuckerln und Flyern sicher keine romanfüllende Angelegenheit darstellt. Und tatsächlich: Im Umfeld der Protagonistin spielen sich Dramen ab. Nikas lesbische Schwester Ruth, eine Menschenrechtsaktivistin in einem prekären Dienstverhältnis,  wollte nicht auf das persönliche Mutterglück verzichten. Es sollte sich jedoch herausstellen, dass der biologische Vater (man könnte auch sagen: der Samenspender) seine Vaterrolle ernster nahm, als erwartet werden durfte, was natürlich genug Stoff für weitere Kapitel bietet. Auch die Tatsache, dass eine Leiche gefunden wurde und Drohbriefe herumschwirren, zeigt, dass „Nika Weihnachtsfrau“ nicht nur die Beschreibung einer Studentin und ihres Übergangsjobs ist.

Ein wenig schade war für mich, dass diese Probelesung  (wie es Eva Jancak selbst nannte ) den Schwerpunkt auf die Exposition und die Beschreibung von „Nika Weihnachtsfrau“ legte und die persönlichen Irrungen und Verwirrungen, die sich im Umfeld der Weihnachtsfrau abspielten, nur kurz angelesen wurden. Aber Eva Jancak versprach, dass man bald weitere Kapitel auf Ihrem Blog lesen darf.


 

Blog von Eva Jancak: Literaturgeflüster

Veröffentlicht in Veranstaltungen

Kommentaren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.