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Hilde Spiel today in Vienna

Die „Rückkehr nach Wien“ stand im Zentrum der Hilde-Spiel-Lesung, die im read!!ing room am 20. März  auf dem Programm stand. Hilde Spiel, die „grande dame“ der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts, schildert in ihrem Tagebuch, mit der sicheren und geschliffenen Schreibweise einer Reporterin und Romancière, ihre Erlebnisse in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie verband mit ihrem ersten Wienbesuch nach dem Exil – eine vollständige Heimkehr sollte es vorerst nicht sein – Erinnerungen aus dem Vorkriegswien, Berichterstattung über die Lage der Stadt und Spurensuche in eigener Sache. Hilde Spiel zeigte bereits 1968 viele Themen auf, die erst sehr viel später in der Exilforschung und in der Aufarbeitung der Zeit unmittelbar nach dem Ende des Nationalsozialismus die Wissenschaft und die Politik beschäftigten. „Rückkehr nach Wien“ gehört in jene lange Reihe an „prophetischen“ Texten, die im eigenen Land wenig gelten.

Michaela Stankovsy, Stephanie Grünberg und Kurt Raubal, der für die erkrankte Anna Nowak einsprang, lasen Auszüge aus dem Text. Am stärksten waren jene Passagen, in denen die Vortragenden die Rollen anderer Personen annahmen. Durch den Wechsel in den breiten Wiener Dialekt oder ins Böhmische, wie man so schön sagt, bekam die Lesung Züge eines Hörspiels. Die einzelnen Episoden wurden mit Jazzmusik vom Band unterbrochen. Die Lesenden zeigten, dass eine szenische Lesung sehr viel mehr sein kann, als das bloße „Vorlesen“ eines Textes.

Die Lesung aus Hilde Spiels Erinnerungen bewies eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Literatur aus vergangenen Tagen zu pflegen. Das zahlreich erschienene Publikum bestätigte dieses Ansinnen. Der read!!ing room wird auch in Zukunft Autor/innen pflegen, deren Texte ein wenig Patina angesetzt haben, und sie nicht nur in die Gegenwart zurückbringen, sondern zeigen, wie tagesaktuell und zeitlos zugleich gute Literatur sein kann.

Veröffentlicht in Allgemein

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