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Vortrag: Viktor Stein – Gewerkschaftler, Tscheche, Jude und Nationalrat aus Margareten

Stein Viktor | Parlament Österreich

Vor 150 Jahren wurde der Margaretener Nationalratsabgeordnete Viktor Stein geboren. Am 9. 7. 1876 in Příbram (Tschechien) zur Welt gekommen, zog er in den 1890er-Jahren nach Wien, wo er sich im sozialdemokratischen Wahlverein Margareten engagierte. Victor Adler setzte den zweisprachigen jungen Mann, der zunächst als Buchhandelsgehilfe arbeitete, als Übersetzer bei dessen Reden vor böhmischen Genoss*innen ein.

1917 wurde Viktor Stein in die Metallarbeitergewerkschaft (Sitz Kohlgasse) geholt und mit der redaktionellen Leitung des Gewerkschaftsblattes Der Metallarbeiter betraut. Daneben wirkte er als Redakteur des Fachblattes der Industrieangestellten-Gewerkschaft sowie – seit deren Gründung im Jahr 1923 – als Redakteur der Gewerkschaftspublikation Arbeit und Wirtschaft, die heute noch existiert.

Er war nicht nur ein beliebter Vortragsredner, sondern auch maßgeblich an der Arbeiter- und Betriebsratsbildung beteiligt. Von 1923 bis 1932 war er Mitglied des Wiener Gemeinderates und in den Jahren 1926/27 sowie von 1930 bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat, wo er sich vor allem sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Themen widmete.

Stein warnte bereits 1923 vor dem Irrweg des Faschismus. Im Februar 1934 wurde Viktor Stein verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis.

1938 wurde er von den Nationalsozialisten erneut verhaftet. Zwar gewann er den Prozess, wurde jedoch abermals festgenommen und im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Viktor Stein wohnte zuletzt in der Blechturmgasse.