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Verregnete After.work.Sommerkult.tour über die „Ringstraße des Proletariats“

Im Rahmen der After-Work-Tour „Mein Gemeindebau ist net deppat“ ging es um die Geschichte des Wiener Gemeindebaus und dessen enge Verbindung zu den politischen und sozialen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Der Rundgang führte durch mehrere bedeutende Gemeindebauten in Margareten, darunter den Reumannhof, den Matteottihof und den Metzleinstaler Hof. Diese Anlagen sind Teil der sogenannten „Ringstraße des Proletariats“, eines beeindruckenden Ensembles an Wohngebäuden des Roten Wien entlang des Margaretengürtels.

Bei teilweise strömendem Regen

Das Wetter ließ zunächst nichts Gutes erwarten. Gegen 16.00 Uhr kam es zu wolkenbruchartigen Regenfällen und Gewittern. Dennoch wurde die Tour nicht abgesagt. Der Spaziergang begann planmäßig um 18.00 Uhr. Der Reumannhof bot zahlreiche Möglichkeiten, sich vor dem Regen zu schützen. Offenbar hatten die Architekten bei der Planung auch an solche Wetterkapriolen gedacht.

Besonderes Augenmerk lag auf der Entstehung des kommunalen Wohnbaus nach dem Ersten Weltkrieg. Wien litt damals unter großer Wohnungsnot, schlechten hygienischen Bedingungen und überteuerten Mietwohnungen. Als Antwort darauf startete die sozialdemokratisch geführte Stadt Wien ein umfassendes Wohnbauprogramm, das leistbaren und modernen Wohnraum für Arbeiterfamilien schaffen sollte.

Es gab doch Möglichkeiten im trocknen zu verweilen

Der Metzleinstaler Hof, der in seiner Gesamtheit in den Jahren 1923 bis 1924 fertig gestellt wurde, gilt als erster „echter“ Wiener Gemeindebau und wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Wohnhausanlagen. Neben den Wohnungen verfügte er über Gemeinschaftseinrichtungen wie eine Badeanstalt, eine Wäscherei, eine Bibliothek und einen Kindergarten. Das Wohnbauprogramm des Roten Wien unter Bürgermeister Karl Seitz war ambitioniert: Mehr als 60.000 Wohnungen wurden errichtet.

Der Reumannhof, erbaut zwischen 1924 und 1926 nach Plänen von Hubert Gessner, verdeutlicht den Anspruch des Roten Wien, funktionalen Wohnbau mit repräsentativer Architektur zu verbinden. Mit seinem monumentalen Ehrenhof, den großzügigen Innenhöfen und den gemeinschaftlich nutzbaren Einrichtungen wurde er zu einem Symbol der sozialdemokratischen Wohnbaupolitik und zum zentralen Bauwerk der sogenannten „Ringstraße des Proletariats“.

Tour fand trotz Regen statt

Gerade der Reumannhof spielte während der Februarkämpfe 1934 eine wichtige Rolle. Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Schutzbundkämpfern markierten das Ende des Roten Wien und der demokratischen Ordnung der Ersten Republik sowie die Zerschlagung zahlreicher sozialdemokratischer Organisationen.

Der Matteottihof erinnert zudem an die internationale Dimension der Arbeiterbewegung. Benannt wurde er nach dem italienischen Sozialisten Giacomo Matteotti, der 1924 von Faschisten ermordet wurde. Die Benennung des Hofes war damals selbst Benito Mussolini ein Dorn im Auge. Der denkmalgeschützte Wohnkomplex bietet bis heute einen authentischen Einblick in die Ästhetik und Funktionalität der Gemeindebauten der 1920er-Jahre. Besonders bemerkenswert ist die große Waschküche, die damals zu den modernsten Anlagen ihrer Art zählte und noch heute in Betrieb ist.

Abgekürzte Tour

Aufgrund des erneut stärker einsetzenden Regens wurde die Tour kurzerhand in den Bus der Linie 12A verlegt. Die Gruppe fuhr zur Bezirksvorstehung Margareten, wo der Abend bei Getränken und anregenden Gesprächen seinen gemütlichen Ausklang fand. Ein herzliches Dankeschön an die Bezirksvorstehung für die hervorragende Organisation.

Die Tour zeigte eindrucksvoll, dass die Wiener Gemeindebauten weit mehr sind als reine Wohnanlagen. Sie erzählen von sozialem Fortschritt, politischen Konflikten und dem Bemühen, breiten Bevölkerungsschichten qualitativ hochwertigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Bis heute prägen sie das Wiener Stadtbild und gelten international als Vorbild für kommunalen Wohnbau.

Veröffentlicht in Allgemein

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