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Rückblick: kult.tour „Jüdisches Margareten – Novemberpogrome“

Am 8. November 2025 fand unsere Kult.Tour „Jüdisches Margareten – Novemberpogrome“ statt, die sich mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung im 5. Wiener Gemeindebezirk während der NS-Zeit auseinandersetzte. Die Tour führte zu bedeutenden Erinnerungsorten des Bezirks und beleuchtete die systematische Verfolgung und Enteignung der jüdischen Bewohner*innen Margaretens rund um das Jahr 1938.

Steine der Erinnerung

Ein wichtiger Ankerpunkt der Tour waren die „Steine der Erinnerung“ – jene im Gehsteig eingelassenen Plaketten, die an die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohner*innen des Bezirks erinnern. Ausgangspunkt der Tour war der Erinnerungsstein an Siegfried Vogel auf der Wiedner Hauptstraße 112. Diese dezentralen Denkmäler machen die Schicksale einzelner Menschen an ihren ehemaligen Wohnorten sichtbar und holen die Erinnerung an vertriebene und ermordete Bewohner*innen zurück in den Alltag der Stadtlandschaft.

Jeder Stein trägt einen Namen, Lebensdaten und das Schicksal der deportierten oder ermordeten Person. Es wundert nicht, dass alleine entlang der Wiedner Hauptstraße – zusätzlich zu den bestehenden – mehrere solche Steine angebracht werden könnten.

Wiedner Hauptstraße 104 Jüdisches Magareten
Wiedner Hauptstraße 104. Hier wohnte Bernhard Bela Basch, Kaufmann, in Auschwitz ermordet

Hitler-Eiche und Führerbilder

Die Margaretner NS-Parteigenossen bewiesen sich als besonders beflissen in der nationalsozialistischen Symbolpolitik. So war man besonders stolz darauf als erste Bezirksorganisation in Groß-Wien eine Hitler-Eiche zu pflanzen (Standort Kriehubergasse, Rainergasse). Auch war es dem „Völkischen Beobachter“ eine Zeitungsnotiz wert, darauf hinzuweisen, dass das Bezirksgericht Margareten das erste Gericht in Wien war, das mit Hilfe der SA, alle Räume mit Bildern des Führers ausgestattet hatte.

Die Synagoge

Die erst 1908 erbaute Synagoge in Margareten´wurde während der Novemberpogrome 1938 vollständig zerstört wurde. Die Synagoge war nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt für die jüdische Gemeinschaft der Bezirke Wieden und Margareten. Die Zerstörung der Synagogen in ganz Wien markierte einen drastischen Wendepunkt in der systematischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

„Wilde Arisierungen“

Ein besonders bedrückender Aspekt waren die sogenannten „wilden Arisierungen“ – die gewaltsame und oft chaotische Enteignung jüdischer Geschäfte und Wohnungen unmittelbar nach dem „Anschluss“ 1938. Noch bevor die systematische, bürokratisch organisierte „Arisierung“ in Gang kam, plünderten Nachbarn, SA-Männer und opportunistische Profiteure jüdisches Eigentum. Diese Phase der unkontrollierten Gewalt und Bereicherung offenbarte die erschreckende Bereitschaft vieler Wiener*innen sich am Unrecht zu beteiligen. Schlussendlich spiegelte sich dies auch in der Dauer der Pogrome in Wien wider.

Leo Graf November 2025
Leo Graf, Zeitzeuge aus Margareten

Zeitzeuge Leo Graf

Leo Graf aus Margareten wurde 1927 geboren. Er war und ist ein leidenschaftlicher Bergsteiger und Kletterer, der seine Begeisterung für die Berge nach seiner Kriegsgefangenschaft im Jahr 1946 entdeckte. Er ist auch als langjähriges Mitglied und Aktivist der Grünen Margareten bekannt und ehemaliger Bezirksrat in Margareten.

Graf berichtete kurz und fesselnd aus seiner Kindheit und Jugend. Als Schüler des Rainergymnasiums, erlebte er wie ab den Pogromtagen jüdische Mitschüler*innen sukzessive verschwanden. Fragen der Kinder und Jugendlichen nach der brennenden Synagoge wurden mit einem „geht dich eh nix an“ quittiert, so Graf in seinen eindringlichen Ausführungen.

Erratum

In der Führung wurde fälschlicherweise erwähnt, dass das Perlencollier von Adele Bloch-Bauer, das auch auf dem Klimt-Gemälde abgebildet ist, von Margarete Himmler getragen wurde. Richtig ist: Das Collier wurde von Emmy Göring, der Ehefrau von Hermann Göring, getragen. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Nächste Tour

kult.tour: Weihnachten im (alten) Wien

17:00 UhrTheater Akzent – Theresianumgasse 18, 1040 Wien – vor dem Eingang

Veröffentlicht in Veranstaltungen

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