30 Grad im Schatten, dichter Abendverkehr am Margaretenplatz und dennoch mehr als 30 Menschen, die freiwillig auf Verbrecherjagd gingen. Die neue Sitzmöblierung lud zum kurzen Verweilen ein. Gefragter war der Margaretenbrunnen. An ihn klammerte sich die kleine Hoffnung, dass der eine oder andere Tropfen sich aus dem Becken verirren würde um zumindest das Gefühl von Kühlung zu bekommen.
Am 16. Juli 2026 hatte die Bezirksvorstehung Margareten zur After-Work-Kult.tour in Kooperation mit dem read!!ing room eingeladen. Gut 30 neugierige Personen fanden sich bei sehr sommerlichen Temperaturen am Margaretenplatz gegen 18 Uhr ein. Eine gute Stunde voller veritabler „True-Crime-Storys“ aus dem fünften Wiener Gemeindebezirk sollte sie erwarten.
Kriminalgeschichten aus dem erweiterten Schlossquadrat
Die Tour startete am Margaretenplatz, dessen tschechisch‑slowakische Vergangenheit als Beispiel für die Vielfalt des Bezirks sinnbildlich steht. Weiters führte der Spaziergang über Hofgasse, Schlossgasse, Siebenbrunnengasse, Zentagasse und Jahngasse. Sie endete bei der Kirche Sankt Josef auf der Schönbrunner Straße neben dem Amtshaus.
Es entwickelte sich ein spannendes Stationentheater mit unterschiedlichsten strafrechtlichen Themen: Von der Unterschlagung von Geldeinlagen über Gleissprengungen und einen literarischen Skandal wegen übler Nachrede bis hin zu Zechprellerei, Prostitution, Raub und Diebstahl war einiges vertreten.
Auch wenn ein Gast sich mehr Morde gewünscht hätte, so war die Bandbreite doch ganz ordentlich und ein Eisenbahnattentat, das 22 Todesopfer forderte, musste an diesem Abend reichen.





Bezirksidentität mal anders
Die Tour „Ruchloses Margareten“ versteht sich explizit als Teil der Bezirksidentität und plädiert dafür, auch diese dunklen Seiten in der kollektiven Erinnerung sichtbar zu halten.
Damit schließt sie an andere kult.touren des read!!ing room an, etwa „Widerständiges Margareten“ oder die Frauentour „Berühmte Margaretnerinnen“ respektive die „Diversitätstour“, die den Bezirk aus anderen, oft marginalisierten Perspektiven zeigen. Die kult.touren finden dabei unregelmäßig statt.
Nach der Tour lud der Margaretner Bezirksvorsteher Michael Luxenberger zu einem Umtrunk in den Hof des Amtshauses in der Schönbrunner Straße ein. Bei netten Gesprächen und kalten Getränken klang der Abend angenehm aus.
Nächster Termin: Gemeindebau-Tour im August
Die nächste After-Work-Tour findet (kostenlos) am 20. August 2026 ab 18:00 Uhr statt. Treffpunkt ist der „Reumann Hof“, Margaretengürtel 100–110, 1050 Wien (Reumann-Denkmal).
Unter dem Titel „Mein Gemeindebau ist net deppat“ – kult.tour durch den sozialen Wohnbau“ zeigt der read!!ing room auch hier spannende Entwicklungen des Roten Wien und des kommunalen Wohnbaus, der weltweit als exemplarisch gilt. Die Tour wird auch diesmal zusammen mit der BV Margareten organisiert und endet im Amtshaus.


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